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Fünf sichere Wege aus dem Karrieretief

So wird Ihr Berufsleben wirklich interessant

Das Berufsleben kann wirklich mies sein. Denn es gibt viel mehr Leute, die super tolle, super bezahlte Posten haben wollen, als es super tolle, super bezahlte Stellen gibt. Das passt doch gar nicht zusammen! Was soll der Mist?

Und Sie? Sind vielleicht Ende 40, das Haar wird schütter und die Augen schwächer, und Sie sind nach 26 Jahren immer noch Sachbearbeiter? Oder Sie sind Mitte 20 und hangeln sich immer noch von einem Praktikum zum nächsten, während Ihre Eltern leise, aber zunehmend hörbar seufzen?

Wie kann man aus diesem beruflichen Tief herausfinden? Ganz einfach. Vertrauen Sie uns. Hier kommen fünf sichere Wege, wie Sie auch jetzt noch zum Gewinner werden können!

1. Das ganze Leben ist ein Spiel

Wie langweilig und perspektivlos Ihr Job auch immer sein mag: Wenn Sie heute zur Arbeit gehen, stellen Sie sich genau diese aktuelle Situation als Anfangsszenario eines Computerspiels vor. Zu Beginn sind Sie ein unsportlicher Endvierziger mit einem miesen Job und ohne Freunde in der Firma. Jetzt versuchen Sie, auf Level 2 zu kommen!

Und dabei machen Sie sich klar: Der Avatar, den Sie sich ausgesucht haben, ist wirklich etwas für Fortgeschrittene. Einfach wird es damit nicht. Aber Sie haben es drauf und suchen die Herausforderung! Und wenn es Ihnen zu langsam vorangeht, spielen Sie im Hintergrund einfach ein bisschen dramatische Filmmusik ab, das sollte helfen.

Sie werden auch Ihre Kollegen mit anderen Augen betrachten. Der smarte Mittzwanziger mit dem Waschbrettbauch und der Promotion? Der hat es sich ja wohl bei der Wahl seines Spiel-Charakters SEHR einfach gemacht. Mit der Figur würde es jeder schaffen. Anfänger!

Und wenn auch das alles nicht hilft, können Sie sich immer noch an der grandiosen 3D-Grafik in Echtzeit freuen. Wie echt das an Ihrem Arbeitsplatz alles aussieht! Und was für lustige Charaktere einem in diesem Büro-Spiel begegnen! Gut, der eine oder die andere ist vielleicht ein kleines bisschen überzeichnet - aber hey, dafür ist es ein Spiel. Wahnsinn, was die sich da alles ausgedacht haben!

Ok, Sie haben jetzt ein paar Monate des Versuchsaufbaus hinter sich und sind immer noch der kleine Sachbearbeiter, den keiner fragt, ob er zum After-Work-Bier mitkommen will? Macht nichts. Denn Sie haben ja in Wahrheit eine GEHEIME MISSION. Sie wollen gar nicht Abteilungsleiter werden! Das würde sogar Ihre Pläne durchkreuzen!

Ihr Ziel ist es in Wahrheit vielmehr, einen ganzen Tag lang das Wort "und" nicht auszusprechen. Oder irgendwie ins Chefbüro zu kommen und dort "Kilroy was here" auf die Schreibtischunterlage zu schreiben. Oder alle Gegenstände im Büromaterialregal im Kopierraum alphabetisch zu sortieren. Sie entscheiden selbst, was Ihre Mission ist! Karriere? Pfff. Kann jeder. Das wäre Ihnen viel zu einfach. Und zu langweilig.

Und vor allem: Kommunizieren Sie das. Schließlich war auch Albert Einstein nur ein kleiner Angestellter im Berner Patentamt. Aber er wurde ja wohl nicht dafür bekannt, dass er es an die Spitze seiner Abteilung schaffte! Warum also sollte das überhaupt Ihr Ziel sein?

Gut, theoretische Physik ist kein Hobby für jedermann. Aber Sie könnten an einem Roman arbeiten. Franz Kafka zum Beispiel war Versicherungsangestellter - und bezeichnete das als "Brotberuf". Keine Sorge, an einem Roman arbeiten heißt nicht, dass Sie jetzt auch etwas schreiben müssen - Sie sind halt noch in der Phase des Ideensammelns. Aber das kleine Angestelltendasein, über das sind Sie ab jetzt erhaben. Das ist ja nur Ihr Brotberuf!

Sie sitzen von nun an in jedem Meeting mit diesem kleinen wissenden Lächeln im Gesicht, das den anderen zeigt: Jaja, meetet ihr nur, das wahre Leben spielt sich ganz woanders ab - und ich weiß auch, wo, aber ich sag's euch nicht. Und auf Karriereportalen schreiben Sie dann: "Songwriter und Sachbearbeiter" oder "Romancier und Registraturangestellter". Das wirkt extrem souverän und macht Sie so viel interessanter!

Vielleicht reibt Ihnen Ihre Mutter ständig unter die Nase, dass ja die Tochter der Nachbarn schon mit 20 das erste Mal promoviert hat und heute glücklich verheiratet mit einem sportlichen Vorstandsvorsitzenden und als Mutter dreier hochbegabter Kinder in einer Villa auf der richtigen Seite der Stadt wohnt? Und andauernd Jobangebote bekommt, eines höher bezahlt als das andere?

Ja, im Vergleich dazu mögen Sie eine Verliererin sein, Sie mit Ihrem 25-Stunden-Job im Verkauf und der gescheiterten Ehe. Aber was wäre, wenn Ihre Biografie anders verlaufen wäre? Wenn Sie, sagen wir mal, mit 15 die Schule geschmissen, einige Jahre auf der Straße verbracht und dann aber Ihr Alkohol- und Drogenproblem in den Griff bekommen hätten, mit eisernem Willen? Und jetzt haben Sie eine eigene Wohnung und einen festen Job, und es sieht nicht danach aus, als ob Sie je nochmal in den Knast müssten! Das ist doch was!

Schauen Sie nicht nach oben, wenn Sie Ihr Leben bewerten. Das macht Sie nur fertig. Wenn Sie die Messlatte niedriger hängen, sieht jeder Ihrer Schritte wie ein gewaltiger Sprung aus. Sie SIND erfolgreich! Sie HABEN es schon geschafft!

In Japan gab es Firmen, die nach 1000-jähriger Firmengeschichte aufgeben mussten. Da fragt man sich doch: Wozu sich die Mühe machen, wenn alles auch nach 1000 Jahren noch den Bach runtergehen kann? Kann man es auch gleich lassen, oder?

Sie finden diesen Text toll? Dann lesen Sie erst mal den hier! Und wozu wollen Sie überhaupt Karriere machen? Um sich eine tolle Immobilie zuzulegen? Vergessen Sie es. In 7,59 Milliarden Jahren stürzt die Erde in die Sonne. Glauben Sie, dann sind Ihre Luxuswohnung in München-Lehel oder eine Villa in Hamburg-Blankenese noch was wert? Schön blöd wäre man, wenn man sich so etwas ans Bein binden würde!

Sie sind da schlauer: Statt beim Rattenrennen mitzujapsen, lehnen Sie sich entspannt zurück. Weil Sie das große Ganze im Blick haben. Und wenn Sie jemand eines anderen und vermeintlich besseren belehren will, sagen Sie einfach: "Das ist vielleicht deine Meinung, Mann." Und damit lassen Sie es alles, alles einfach mal gut sein.

Maren Hoffmann / manager-magazin.de

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