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Taschen für Männer - vom spießigen Anhängsel zum It-Piece

Bürotaschen

Von wegen abgewetzt und spießig: Die Aktentasche ist zurück. Edler, stylisher und variantenreicher denn je.

Frauen haben Handtaschen, Männer haben … ja was eigentlich? Eine Aktentasche? Aktenmappe? Genau. Klingt nach Staub und abgewetztem Leder. Nach viel Papier in Klarsichthüllen oder Schnellheftern aus Pappe. Jedenfalls fallen einem keine Klassiker ein wie die Kelly Bag von Hermès, Alexander McQueens Heroine und Chanels Boy Bag mit ihren schweren Ketten. (Die Klassiker der Damentaschen sind so wertstabil, dass wir sie in einem eigenen Luxusindex abbilden.)

Ältere Jahrgänge denken womöglich an Herbert Wehners legendäre Aktentasche - heute ein Museumsstück. Die etwas abgeranzte Tasche war alles andere als stylish, aber sie unterstrich Wehners Image als ebenso bürokratischer wie pflichtbewusster Abgeordneter. Zudem waren Wehner und seine Aktentasche unzertrennlich.

Warum Männer wieder über Aktentaschen - oder Businesstaschen, das kommt dem eleganteren englischen Begriff briefcase etwas näher - nachdenken sollten, hat zwei Gründe:

Erstens sollte eine Tasche farblich, qualitativ und im Stil zum restlichen Outfit passen: zu Anzug, Schuhen und Accessoires - sonst wirkt sie schnell wie ein Fremdkörper. Zum Gesamterscheinungsbild trägt sie nämlich genauso bei wie Hose oder Krawatte.

Zweitens gibt es eine entsprechend große Auswahl an ebenso funktionalen wie hochwertigen und eleganten Taschen. Das verdanken wir den Hipstern, die dafür gesorgt haben, dass aus einem notwendigen, aber wenig geliebten Transportmedium ein It-Piece wurde - egal ob als ethisch akzeptabler Designer-Rucksack von Vaude oder Fitz & Huxley, als modische Hand- oder Umhängetasche alias Messenger Bag oder als sogenannte Herrentasche - ein Hybrid aus Henkeltasche und Rucksack.

"Eine Businesstasche sollte funktional, smart und zeitlos sein." Johnny Coca, seit 2015 Creative Director bei Mulberry, nennt damit schon drei wichtige Punkte. Selbstverständlich spielt Funktionalität immer noch eine große Rolle. In einer Businesstasche sollte alles Platz finden, was man auf dem Weg zur Arbeit braucht: Notebook, Tablet, Smartphone, Portemonnaie ... Vielleicht auch ein Regenschirm. Und die Sonnenbrille. Funktionalität bedeutet in diesem Kontext: Größe und funktionale Gestaltung (Zahl und Art der Fächer, Polsterungen, Zugriffsmöglichkeiten auf die transportierten Dinge - hier geht es um eine sinnvolle Balance zwischen sicher verstaut und schnell erreichbar). Auch ein Schulterriemen ist empfehlenswert, sei es, um unterwegs die Hände freizuhaben oder bei größerem Gewicht den Körper nicht zu einseitig zu belasten.

Ebenso wichtig wie die Funktionalität ist die Qualität. Eine Businesstasche sollte aus hochwertigen und solide verarbeiteten Materialien gefertigt sein, damit sie ein langlebiger Begleiter wird. Echtleder ist eine Option, aber nicht die einzige. Entsprechende Modelle gibt es unter anderem auch aus Segeltuch (z. B. von Mismo) und aus veganem Leder (z. B. von Will's Vegan Shop).

Wer sich nicht mehrere Taschen zulegen möchte, sollte ein Modell wählen, das möglichst gut abgestimmt ist auf die Businessgardrobe, also mit Anzug und Schuhen harmoniert. Bei aller Langlebigkeit, die hochwertige Echtledertaschen versprechen, benötigen sie regelmäßige Pflege - um nicht auszusehen wie Wehners Aktentasche nach Jahrzehnte langem Einsatz im Parlament. Darin unterscheiden sie sich in nichts von Lederschuhen. Die Investition in Imprägniermittel gegen Nässe und Pflegecreme gegen Austrocknen lohnt sich allemal - umso mehr, je edler die Tasche.

Die schönsten Businesstaschen für den Herbst 2019 - hier ist eine Auswahl der Modelle, die uns besonders gefallen.

Andreas Rose / manager-magazin.de

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