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Dax baut Gewinne aus - China schürt Hoffnung im Zollstreit

Kursgewinne an der Börse

Der Dax setzt am Dienstag seine Erholung fort und klettert im späten Handel über die Marke von 12.300 Punkten. China sendet ein neues Hoffnungszeichen im Zollstreit mit den USA. Anleger erwarten zudem, dass EZB und US-Notenbank Fed am Donnerstag die Zinsen weiter senken.

Weitere Gewinne: Der Dax hat am Dienstag nach verhaltenem Start seine Kursrally fortgesetzt. Der deutsche Leitindex kletterte am Dienstag Abend (18.30 Uhr) zeitweise über die Marke von 12.300 Punkten. Am Abend schürte ein Bericht der "South China Morning Post" die Hoffnung auf eine Entspannung im Handelsstreit mit den USA. Angeblich sei China bereit, mehr Agrarprodukte wie etwa Soja aus den USA zu kaufen, um den Weg für einen Handelsdeal mit den USA zu bereiten, hieß es unter Berufung auf Insider. Vizepremier Liu He werde den US-Handelsbeauftragten Robert Lighthizer im Oktober treffen, um über die Vereinbarung zu sprechen, hieß es.

Anleger erwarten außerdem, dass EZB-Chef Mario Draghi am Donnerstag die Geldschleusen der EZB noch weiter öffnet. Für den MDax ging es dagegen um 0,7 Prozent abwärts, während der TecDax - bedingt durch die starken Kursverluste bei den Schwergewichten Morphosys , Evotec und Carl Zeiss Meditec - um knapp 2 Prozent einknickte.

Unter Anlegern gilt als ausgemacht, dass die EZB am Donnerstag den Zins für Einlagen bei der Notenbank senken wird. Uneins sind sie sich dagegen, wie groß der Schritt ausfallen und ob EZB-Chef Mario Draghi zusätzlich eine Wiederaufnahme der Wertpapierkäufe ankündigen wird. Die Erwartungen seien hoch und damit auch die Gefahr von Enttäuschungen, sagte Neil Wilson, Chef-Analyst des Online-Brokers Markets.com.

Wall Street im Minus

Am Anleihemarkt sorgten Spekulationen auf neue Schulden den Bundes für Verkäufe. Dies hievte die Rendite der 30-jährigen Titel erstmals seit etwa sechs Wochen wieder über die Marke von null Prozent auf plus 0,009 Prozent. Die zehnjährigen Papiere rentierten bei minus 0,573 Prozent.

An der Wall Street gaben Dow Jones und Nasdaq nach ihrer jüngsten Kursrally jedoch wieder nach. Der Dow Jones notierte im frühen Handel 0,3 Prozent schwächer, während die Tech-Werte an der Nasdaq um mehr als 1 Prozent nachgaben. Auch der marktbreite S&P 500 notierte knapp 1 Prozent leichter.

Angesichts der nächsten Notenbanksitzungen in den USA und in der Eurozone herrschte Zurückhaltung. Die Erwartungen an die Währungshüter sind aktuell recht hoch und entsprechend groß ist die Gefahr von Enttäuschungen. Die Europäischen Zentralbank dürfte ihre bereits sehr expansive Geldpolitik zwar abermals lockern. Die Frage ist aber, wie umfangreich die Lockerung ausfällt.

Apple belastet Tech-Sektor

Unter den Einzelwerten an der Wall Street stehen die Aktien von Ford im Fokus. Die Ratingagentur Moody's hatte die Kreditwürdigkeit des Autobauers auf den gefürchteten Junk-Status abgestuft. Das heißt, die Anleihen des Unternehmens werden nun als besonders ausfallbedroht eingestuft. Für die Papiere ging es im vorbörslichen US-Handel um rund 3 Prozent nach unten.

Von Apple schließlich wird im Handelsverlauf die nächste Generation seiner iPhones erwartet. Sie sollen laut Medienberichten unter anderem mit neuen Kamera-Funktionen und einem zusätzlichen Ultra-Weitwinkel-Objektiv ausgestattet werden. Das iPhone ist nach wie vor das wichtigste Apple-Produkt, die Verkäufe gehen jedoch schon seit einiger Zeit zurück. Die Anteilsscheine von Apple gaben leicht nach

Lufthansa startet Erholungsversuch

Zu den Gewinnern im Dax gehörten die Aktien von Daimler , BMW , Volkswagen und Continental sowie von der Lufthansa mit gewinnen zwischen 2 und 4 Prozent, während die Aktie von Wirecard mit einem Verlust von 2 Prozent zu den Dax-Verlierern gehörte. In den zuletzt aus ihrem Abwärtstrend ausgebrochenen Wirecard-Papieren haben die Anleger am Dienstag zunächst Gewinne gesichert.

Die zuletzt stark gebeutelte Aktie der Lufthansa startete am Dienstag einen Erholungsversuch und legte um rund 3 Prozent auf 14,50 Euro zu. Damit befindet sie sich wieder über der charttechnisch wichtigen 50-Tage-Linie. Seit ihrem Mitte August markierten Tief von 13 Euro hat die Aktie inzwischen rund 10 Prozent zugelegt. Der insgesamt schwächste Dax-Wert des laufenden Jahres hat seit dem Markttief Mitte August gegenüber dem deutschen Leitindex etwas aufgeholt. Der Verlust von zwischenzeitlich gut 36 Prozent für 2019 schmolz inzwischen auf gut 26 Prozent ab.

Studie von JPMorgan bremst Wirecard

Die Anteilsscheine des Zahlungsabwicklers sackten zeitweise bis auf 150,70 Euro ab, nachdem sie den Monat mit einem Kursgewinn von gut 10 Prozent auf 159 Euro gestartet waren. Die US-Investmentbank JPMorgan bewertet die Aktie von Wirecard mit "Neutral". Die Papiere seien zwar zweifellos günstig, so der Experte. Den wachstumsbereinigt deutlichen Bewertungsabschlag zur Konkurrenz aufzuholen, werde jedoch wohl ein jahrelanger Prozess. JP Morgan setzt ein Kursziel von 165 Euro.

Automesse IAA stützt Autowerte

Mit Beginn der Automesse IAA in Frankfurt bleiben auch die Autoaktien im Blick. Die Branche zählt erneut zu den Favoriten der Anleger und setzt ihren Erholungskurs fort. Im Dax legen neben den Papieren des Zulieferers Continental mit plus 1,6 Prozent auch die Hersteller Daimler , Volkswagen und BMW um jeweils rund 1 Prozent zu. Die IAA gilt als wichtiges Ereignis, um sich ein Bild über die Stimmungslage in der Branche zu machen. Im Fokus steht dabei nach wie vor der Wandel hin zur Elektromobilität.

Dax Realtime: Hier sehen Sie Dax und Dow Jones in Echtzeit auf einen Blick

EZB und Fed : Noch mehr billiges Geld erwartet

Die Zinsentscheidung der Europäischen Zentralbank (EZB) an diesem Donnerstag wirft bereits ihre Schatten voraus. Während der Ratssitzung im Juli hatte Präsident Mario Draghi die Erwartungen angefacht, dass es neue geldpolitische Lockerungen geben könnte. Inzwischen gehen Ökonomen davon aus, dass der Strafzins für Banken weiter gesenkt wird. Eine Wiederaufnahme der Anleihekäufe indes gilt als unwahrscheinlich, da dies im EZB-Rat sehr umstritten ist.

In den USA entscheidet die Fed dann in der nächsten Woche über ihre weitere Geldpolitik. Weil eine Entspannung derzeit nicht absehbar ist, rechnen die Börsianer auch in den USA mit weiteren Zinssenkungen. Erst Ende Juli hatte die US-Notenbank ihren Leitzins erstmals seit gut zehn Jahren verringert.

In Japan haben Exportwerte zu Gewinnen verholfen. Anleger griffen etwa bei Papieren von Toyota und Honda zu, nachdem der Yen zum Dollar an Wert verlor. Der 225 Werte umfassende Nikkei-Index notierte am Dienstag 0,2 Prozent fester bei 21.360 Punkten. Der breiter gefasste Topix stieg um 0,4 Prozent auf 1557 Zähler. Auch die Aktien von Nissan verteuerten sich. Sie stiegen um 3,5 Prozent. Grund waren Berichte über den angekündigten Rücktritt des in Ungnade gefallenen Konzernchefs Hiroto Saikawa.

Der in der Vorwoche noch von neuer Hoffnung im Handelskonflikt stark angetriebene Dow Jones schloss 0,14 Prozent höher bei 26.835,51 Punkten. Der S&P 500 gab um 0,01 Prozent auf 2978,43 Punkte nach und der Tech-Auswahlindex Nasdaq Composite verlor 0,26 Prozent auf 7832,40 Punkte. Alle drei Indizes sind indes von ihren jeweiligen Bestmarken nicht weit entfernt.

Euro-Kurs weiter stabil

Der Kurs des Euro hat sich am Dienstag weiter stabil über der Marke von 1,10 US-Dollar gehalten. Am Morgen wurde die Gemeinschaftswährung bei 1,1044 Dollar gehandelt und damit etwa auf dem gleichen Niveau wie am Vorabend. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs zuletzt am Montagnachmittag auf 1,1033 Dollar festgesetzt.

Im Tagesverlauf stehen nur wenige Konjunkturdaten auf dem Programm, die für neue Impulse am Devisenmarkt sorgen könnten. Gestützt wurde der Euro durch Medienberichte, wonach die deutsche Regierung einen ausgeglichenen Bundeshaushalt auf den Prüfstand stellen könnte, falls die Konjunktur weiter schwächelt. Allerdings hat Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) klargestellt, dass er trotz der aktuellen Konjunkturflaute eine Neuverschuldung vermeiden will.

Das britische Pfund konnte die deutlichen Kursgewinne vom Vortag nahezu halten und wurde am Morgen bei 1,2340 Dollar gehandelt. In der vergangenen Nacht hatte das Unterhaus in London eine vorgezogene Neuwahl in Großbritannien . Der Antrag von Premierminister Boris Johnson verfehlte die notwendige Zweidrittelmehrheit aller Abgeordneten. Es gibt damit keine Möglichkeit mehr für eine Neuwahl vor dem geplanten Brexit-Datum am 31. Oktober.

Ölpreise legen weiter zu

Die Ölpreise haben am Dienstag an die deutlichen Gewinne vom Wochenauftakt angeknüpft. Am Morgen ging es mit den Notierungen aber nur noch leicht nach oben. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent Oil Spot kostete zuletzt 62,82 US-Dollar. Das waren 23 Cent mehr als am Montag. Der Preis für ein Barrel der amerikanischen Sorte West Texas Intermediate (WTI) stieg um 27 Cent auf 58,12 Dollar.

Nach Einschätzung von Marktbeobachtern werden die Ölpreise weiterhin von Aussagen des neuen Ölministers von Saudi-Arabien, Prinz Abdulasis bin Salman, gestützt. Dieser hatte am vergangenen Wochenende klargestellt, dass es keinen radikalen Wechsel in der Förderpolitik des führenden Opec-Landes geben werde. Damit wird am Markt weiter damit gerechnet, dass Saudi-Arabien mit einer Förderkürzung die Ölpreise stützen will.

Mittlerweile kann der Preis für US-Rohöl bereits den fünften Handelstag in Folge zulegen. Am frühen Morgen wurde bei 58,39 Dollar je Barrel zeitweise der höchste Stand seit Ende Juli erreicht.

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