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Dax und Dow klar im Plus - EZB und Fed locken Aktienkäufer

Börse

Der Dax steigt deutlich. EZB-Chef Draghi stellt noch mehr Billiggeld in Aussicht und befeuert damit die Märkte. Auch die US-Börsen starten mit Gewinnen. Heute beginnt das zweitägige Meeting der US-Notenbank Fed.

Weiter aufwärts: Der Dax ist am Dienstag nach schwachem Start wieder ins Plus gedreht, da Aussagen der EZB zu einer weiteren Lockerung der Geldpolitik Käufer hervorgelockt haben. Der deutsche Leitindex baute seine Gewinne zuletzt auf 2,0 Prozent aus und schloss auf Xetra (17.30 Uhr) bei 12.331 Punkten, nachdem er im frühen Handel zeitweise unter die Marke von 12.000 Zählern gefallen war. Zu den größten Gewinnern gehörten die Aktien von Wirecard , Adidas , RWE und Deutsche Bank , die jeweils zwischen 3 und 4 Prozent zulegten.

EZB-Präsident Mario Draghi hat es einmal mehr geschafft, die Anleger an den Finanzmärkten trotz zunehmender konjunktureller Risiken kurzzeitig zu beruhigen. Die Aussicht auf noch mehr Billiggeld verhalf dem Dax zu einem Sprung in Richtung 12.300 Punkte - das ist das höchste Niveau seit 4 Wochen. Auf der EZB-Notenbankkonferenz im portugiesischen Sintra stellte Draghi eine noch lockerere Geldpolitik in Aussicht, falls sich die wirtschaftlichen Perspektiven nicht bessern. Auch zusätzliche Zinssenkungen seien denkbar. Der Eurokurs geriet daraufhin ebenso unter Druck wie die Renditen an den Anleihemärkten. So fiel etwa die Rendite auf zehnjährige Bundesanleihen auf ein neues Rekordtief.

Expansive Geldpolitik treibt Dax ins Plus

Draghi habe damit die Spekulationen am Markt angeheizt, sagte Elmar Völker, Analyst bei LBBW Research. "Falls es im Rahmen des G20-Gipfels Ende Juni nicht zu einer Entspannung im Handelskonflikt zwischen den USA und China kommt, dürften geldpolitische Lockerungsmaßnehmen aus dem Euro Tower eine fast sichere Angelegenheit sein." Die Aussicht auf niedrigere Zinsen in Europa locke Renditejäger wieder an, sagte Salah Bouhmidi, Marktanalyst beim Analysehaus DailyFX. "Durch die mögliche Ausweitung der expansiven Geldpolitik bleiben Aktien diesseits und jenseits des Atlantiks die einzige Wahl." Die Frage sei aber, wie lange dies andauere. "Das Arsenal der Notenbanker ist zwar groß, dennoch geht die Munition langsam aus und die Wirkung der geldpolitischen Drogen lässt langsam nach."

Euro gibt deutlich nach

Der Euro in Dollar gab nach den Äußerungen Draghis nach, die Gemeinschaftswährung notierte mit 1,1189 Dollar 0,3 Prozent schwächer. Am Anleihemarkt fiel die Rendite der deutschen Bundesanleihe auf ein Rekordtief von minus 0,299 Prozent, die Verzinsung der österreichischen Bonds war mit minus 0,01 Prozent erstmals überhaupt negativ. Italien musste mit 2,166 Prozent so wenige Zinsen zahlen wie seit über einem Jahr nicht mehr.

Wall Street startet mit Gewinnen: EZB schiebt Dow Jones vor Fed-Meeting an

Lockere geldpolitische Signale der Europäischen Zentralbank haben am Dienstag auch der zuletzt trägen Wall Street frischen Schwung verliehen. Der Dow Jones legte im frühen Handel ebenso wie der Nasdaq Stock Market deutlich zu. Der Dow hatte sich vom Zwischentief Anfang Juni zuletzt zwar um knapp 6 Prozent erholt und dabei von der Aussicht auf baldige Zinssenkungen in den USA profitiert. Händlern zufolge wollten viele Investoren erst einmal auf die geldpolitischen Aussagen der US-Notenbank Fed am Mittwoch warten.

Unerwarteten Rückenwind für die Börsen lieferte am Dienstag nun aber schon EZB-Präsident Mario Draghi. Das Billiggeld der Notenbanken war jahrelang der Schmierstoff der Börsenrally, bevor die Fed auf die Bremse trat. Dies scheint mittlerweile aber nur eine Zwischenepisode gewesen zu sein, sind die Notenbanker doch offenbar gewillt, die Geldschleusen wieder weiter zu öffnen.

Beyond Meat Aktie fällt nach Rekordhoch zurück ins Minus

Auf Unternehmensseite sorgt vorbörslich der Börsenneuling Beyond Meat wieder für Furore. Nachdem das Kursfeuerwerk vor einer Woche bei 186,43 US-Dollar einen vorläufigen Höhepunkt erreicht hatte, wurde die Rally neu entfacht. Am Vortag ging es schon um mehr als 12 Prozent hoch, dann gewann die Aktie noch einmal 12 Prozent und testete die Marke von 200 Dollar. Anschließend setzten jedoch Gewinnmitnahmen ein, die Aktie fiel ins Minus zurück und notierte zuletzt wieder bei 170 Dollar.

Auch die Facebook -Aktie knüpfte mit plus 2 Prozent an ihre Gewinne vom Vortag an. Das Online-Netzwerk hat wie erwartet seine Pläne für eigene digitale Weltwährung vorgestellt. Das Digitalgeld mit dem Namen Libra basiert ähnlich wie der Bitcoin auf der sogenannten Blockchain-Technologie, soll aber ohne Kursschwankungen auskommen. Um das große Ziel zu erreichen, hat Facebook eine Allianz mit zahlreichen Unternehmen geschmiedet, darunter die Finanzdienstleister Visa, Mastercard und Paypal.

Versorger profitieren von EZB-Aussagen: RWE und Eon klar im Plus

Die Bereitschaft der Europäischen Notenbank zu zusätzlicher geldpolitischer Lockerung hat am Dienstag vor allem die zinssensitiven Versorgerpapiere kräftig angeschoben. Der zuvor kaum veränderte Stoxx 600 Utilities kletterte bis zum Mittag um 1,9 Prozent an die Spitze des Branchentableaus und erreichte dabei einen weiteren Höchststand seit fast vier Jahren. RWE schossen vom Tagestief 3,6 Prozent aufwärts und Eon fast 2 Prozent. Aktien von Versorgern gelten wegen eines hohen Kapitalbedarfs als überdurchschnittlich zinsabhängig. Zudem haben sie wegen vergleichsweise stabiler Erträge und Dividenden aus Anlegersicht einen Anleihen-ähnlichen Status. Steigen die Zinsen an den Kapitalmärkten, verlieren diese Aktien im Vergleich zu anderen tendenziell an Attraktivität

Gewinnwarnung von Siltronic belastet Infineon

Eine Gewinnwarnung brockte dem Chip-Zulieferer Siltronic einen Kursrückgang von bis zu 15 Prozent ein - das ist der bislang stärkste Tagesverlust. Die Aktien kosteten mit 49,13 Euro zudem so wenig wie seit drei Jahren nicht mehr. Infineon sackten um bis zu 6,6 Prozent auf 13,42 Euro und damit ebenfalls auf den niedrigsten Stant seit drei Jahren. Dabei spielte auch eine Kapitalerhöhung von etwa 1,5 Milliarden Euro eine Rolle, mit der die Münchner die bislang größte Übernahme der Firmengeschichte finanzieren wollen.

Im Auge behalten müssen Anleger auch den Iran-Konflikt: US-Präsident Donald Trump schickt rund 1000 weitere Soldaten in den Nahen Osten. Zuvor hatte die Führung in Teheran angekündigt, künftig einen Teil ihrer Verpflichtungen aus dem internationalen Atomabkommen nicht mehr zu erfüllen.

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Lufthansa nach Kurssturz weiter unter Druck

Den Aktien der Lufthansa drohen derweil nach dem Kurssturz zu Wochenbeginn auf ein neues Tief seit April 2017 zu fallen. Mehrere Analysten hatten sich nach der Gewinnwarnung negativ zu den Papieren des Luftfahrtkonzerns geäußert. Hinsichtlich der Prognosequalität der Kranichlinie, des Managements der Billigflug-Tochter Eurowings und ihrem Bestreben, Marktanteile zu erhalten, gebe es nun einige Fragen, schrieb etwa der Experte Andrew Lobbenberg von der britischen Investmentbank HSBC.

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Ölpreise geben leicht nach

Die Ölpreise sind am Dienstag im frühen Handel leicht gefallen. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent Oil Spot kostete am Morgen 60,87 US-Dollar. Das waren sieben Cent weniger als am Montag. Der Preis für ein Barrel der amerikanischen Sorte West Texas Intermediate (WTI) fiel um elf Cent auf 51,82 Dollar.

Am Rohölmarkt stehen Nachfragesorgen wieder klar im Vordergrund. Befürchtet wird, dass die von den USA ausgehenden Handelsstreitigkeiten die bereits angeschlagene Weltwirtschaft zusätzlich schwächen und die Ölnachfrage belasten könnten. Angebotsrisiken, insbesondere die Krise wegen eines mutmaßlichen Angriffs auf zwei Tanker im Golf von Oman vergangene Woche, treten derzeit in den Hintergrund.

Die Krise belastet jedoch das anstehende Treffen des Ölkartells Opec. Eigentlich soll die Zusammenkunft Ende Juni stattfinden. Iran hat jetzt aber ein Treffen erst im Juli vorgeschlagen. Die Interessenlage in der Opec ist sehr unterschiedlich, insbesondere zwischen den politischen Erzfeinden Saudi-Arabien und Iran. Doch die Zeit drängt: Die Opec muss entscheiden, ob sie ihre Förderung auch in der zweiten Jahreshälfte deckeln will.

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