Source: https://www.union-investment.de/unsere-services/aktuelle-nachrichten/service-wissenswertes/stablecoins-was-steckt-dahinter
19.08.2026
Der Wert von Kryptowerten wie Bitcoin bildet sich vor allem am Markt durch Angebot und Nachfrage. Im Unterschied dazu sind Stablecoins darauf ausgelegt, ihren Wert an einer Referenzwährung wie dem US-Dollar oder dem Euro auszurichten. Und das macht sie zu einem spannenden Thema.
Stablecoins sind digitale Wertdarstellungen („Token“), die über eine Blockchain übertragen werden und ihren Wert möglichst stabil halten sollen. Meist sind sie an eine klassische Währung wie den US-Dollar gekoppelt.1
In Deutschland und der Europäischen Union (EU) sind Stablecoins weder gesetzliche Zahlungsmittel noch Bankeinlagen. Sie unterliegen daher nicht der gesetzlichen Einlagensicherung. Für bestimmte, nach der europäischen Verordnung über Märkte für Kryptowerte (MiCA) regulierte Stablecoins gelten jedoch besondere Anforderungen. Reservevermögen muss teilweise vom Vermögen des Emittenten getrennt gehalten werden, und für die Inhaberinnen und Inhaber bestehen Rückgaberechte. Das kann im Insolvenzfall einen gewissen Schutz bieten, ersetzt aber weder die Einlagensicherung noch garantiert es eine jederzeitige Rückzahlung. Letztlich hängt es vom jeweiligen Stablecoin und seinem Emittenten ab, welche Regeln gelten.2
Bei bestimmten Stablecoins besteht ein Anspruch auf Rücktausch gegenüber dem Emittenten. Die Bedingungen unterscheiden sich jedoch je nach Ausgestaltung des Tokens. Ob der Rücktausch praktisch und zeitnah abgewickelt werden kann, hängt unter anderem vom Emittenten, der verfügbaren Liquidität, dem gewählten Handelsplatz und dem jeweils geltenden Rechtsrahmen ab. Dies kann insbesondere im Krisenfall Bedeutung haben, wenn sich Verzögerungen oder Schwierigkeiten bei der Rückzahlung ergeben.2
„Ein wichtiger Anwendungsbereich von Stablecoins könnte der internationale Zahlungsverkehr sein“, sagt Theresa Kalbfleisch, Volkswirtin bei Union Investment. Bei grenzüberschreitenden Zahlungen, etwa durch Auslandsüberweisungen, ist das klassische Bankensystem häufig teuer und ineffizient. Stablecoins hingegen haben das Potenzial, diese Transfers schneller und günstiger zu machen. Interessant könnten Stablecoins etwa für Menschen in Schwellen- und Entwicklungsländern sein, die nur einen eingeschränkten Zugang zu internationalen Zahlungswegen oder stabilen Fremdwährungen haben.3
„Ein Stablecoin bleibt jedoch nur dann stabil, wenn die Nutzerinnen und Nutzer davon ausgehen, dass sie ihn jederzeit wieder zum vereinbarten Referenzwert eintauschen können“, erklärt Theresa Kalbfleisch. Gerät dieses Vertrauen ins Wanken, könnten viele Nutzerinnen und Nutzer gleichzeitig versuchen, ihre Token zurückzugeben. Durch die digitale Abwicklung kann sich eine solche Entwicklung sehr schnell ausbreiten. Müssen Anbieter dafür Teile des Reservevermögens wie Staatsanleihen in großem Umfang verkaufen, kann dies auch andere Finanzmärkte belasten.
Hinzu kommt das sogenannte Disintermediationsrisiko: Werden Bankeinlagen dauerhaft in Stablecoins umgeschichtet, stehen sie den Banken nicht mehr für das klassische Geschäft zur Verfügung. Das kann ihre Refinanzierung verteuern und die Kreditvergabe erschweren. Wenn diese Umschichtung ein erhebliches Ausmaß erreicht, könnte sie letztlich sogar die geldpolitische Transmission beeinträchtigen – also den Prozess, über den beispielsweise Leitzinsänderungen die Finanzierungsbedingungen, die Kreditvergabe und die wirtschaftliche Aktivität beeinflussen.4
Die US-Regierung unter Präsident Donald Trump setzt gezielt auf Stablecoins, um die globale Rolle des US-Dollar im Finanzsystem zu stärken. Mit dem „GENIUS Act“ schufen die USA im Juli 2025 erstmals einen bundesweiten regulatorischen Rahmen für sogenannte Payment-Stablecoins. US-Finanzminister Scott Bessent erwartet, dass der Stablecoin-Markt bis 2030 auf bis zu 3,7 Billionen US-Dollar wachsen könnte.5 Diese Einschätzung ist jedoch keine gesicherte Marktprognose.
Theresa Kalbfleisch beurteilt das Wachstumspotenzial differenziert: „In entwickelten Volkswirtschaften ist es unwahrscheinlich, dass Wallets das Bankkonto flächendeckend verdrängen.“ Dort können etablierte Zahlungssysteme wie Kreditkarten starke Netzwerkeffekte und attraktive Bonusprogramme bieten – oder Banken bieten direkt eigene Token an und verknüpfen diese mit ihren aktuellen Produkten. Die größten Chancen sieht sie daher im grenzüberschreitenden Zahlungsverkehr und in Märkten mit einer schwachen Finanzinfrastruktur. Ihr Fazit: Stablecoins sind mehr als ein Krypto-Trend. Sie könnten die Infrastruktur des globalen Finanzsystems verändern – aber ob die breite Masse davon im Alltag etwas bemerkt, bleibt offen.
Die Einschätzungen von Theresa Kalbfleisch geben die persönliche Marktmeinung zum Zeitpunkt der Erstellung wieder und stellen keine Anlageberatung oder Garantie künftiger Wertentwicklungen in Bezug auf Stablecoins dar. Stand: August 2026.
Bitte beachten Sie die rechtlichen Hinweise.
Quellen:
Erfahren Sie mehr über die Funktionsweise, Chancen und Risiken von Stablecoins in unserem Blogbeitrag.
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