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46. Kalenderwoche
Wöchentliche Information zu den Kapitalmärkten für den Zeitraum vom 13. bis 17. November 2023
Der wohl wichtigste Datenpunkt der abgelaufenen Woche war die US-Inflationszahl für Oktober. Eine letztlich unter den Erwartungen liegende Teuerungsrate ließ Marktteilnehmer davon ausgehen, dass die US-Notenbank am Ende ihres Zinserhöhungszyklus angekommen ist. Schnell ging der Blick nach vorn auf mögliche Zinssenkungen. Dies löste eine Rally sowohl bei Staatsanleihen als auch bei Aktien aus.
US-Inflation fällt schwächer als erwartet aus
Die Inflation bleibt eines der marktbeherrschenden Themen. Anleger zweifelten noch Anfang der Woche, ob der Teuerungsdruck weiter nachlässt, denn in der vergangenen Woche stiegen vor allem in den USA die Inflationserwartungen an. Deutlich wurde dies erst vergangenen Freitag in einer Umfrage der Universität Michigan. Wenn Verbraucher von weiter steigenden Preisen ausgehen, dann könnte das erneut die Notenbanker auf den Plan rufen. Darüber hinaus gab es zuletzt auch weitere Hinweise darauf, dass noch einmal Inflationsdruck aufkommen könnte. Anleger waren daher unsicher, ob das Motto der US-Notenbank Federal Reserve (Fed) inzwischen tatsächlich schon „high for longer“ oder noch immer „higher for longer“ lautet. Geht es also nur noch darum, die Leitzinsen eine Weile oben zu halten, bis sich die Teuerungsraten wieder auf ein Normalniveau eingestellt haben, oder braucht es sogar noch weitere Zinsschritte. Im Vorfeld der US-Inflationszahlen für Oktober fürchteten die Marktteilnehmer daher eine höhere Zunahme als erwartet. Schlussendlich fiel die Zahl entgegen den Annahmen aber sogar etwas schwächer aus. Statt des erwarteten Anstiegs auf Jahressicht um 3,3 Prozent, stiegen die Preise nur um 3,2 Prozent. Auch die Kerninflation blieb mit 4,0 Prozent um 0,1 Prozentpunkte unter dem prognostizierten Niveau. Vor allem die sinkenden Benzin- und Gebrauchtwagenpreise trugen zum Rückgang bei.
Shutdown in den USA erneut (vorerst) abgewendet
Anfang der Woche drohte weiteres Ungemach, denn es sah zunächst danach aus, als drohte den US-Politikern am Wochenende erneut ein Verhandlungsmarathon. Zwar konnte vor wenigen Wochen die Schließung vieler US-Behörden mit Erreichung der Schuldenobergrenze abgewendet werden, doch die Übergangslösung ließ nur einen Aufschub bis Ende der Woche zu. Es drohte also erneut ein sogenannter Shutdown. Die von den Republikanern vorgelegten Vorschläge waren jedoch eine solide Verhandlungsbasis für die Demokraten und so wurde der von Mike Johnson, dem neuen Vorsitzenden im Kongress, vorgelegte Entwurf letztlich mithilfe der Demokraten gebilligt. Bis mindestens Mitte Januar ist damit nun die Finanzierung der Bundesbehörden gesichert. Ob die diesmal schnelle Einigung die Ratingagenturen milde stimmen soll? Moody´s hatte erst vor wenigen Tagen den Ausblick für ihre Bonitätseinschätzung der USA von stabil auf negativ gesenkt. Die Agentur verwies dabei auf die Haushaltsprobleme, die hohe Verschuldung und die Politik der Republikaner, die die Nation spalten würde.
Treffen Xi und Biden
Zur Wochenmitte richteten sich die Blicke nach San Francisco. Dort fand das erste Treffen zwischen US-Präsident Biden und Chinas Staatschef Xi seit dem G20-Gipfel im vergangenen Jahr statt. Zwischenzeitlich wurden die beiderseitigen Beziehungen harten Prüfungen unterzogen. Im Januar schossen die USA einen chinesischen Ballon ab und bezichtigten Peking der Spionage. Hinzu kamen diverse gegenseitige Sanktionen und ein Truppenaufmarsch der Chinesen vor Taiwan. In den letzten Monaten gab es aber wieder einige Annäherungsversuche auf diplomatischer Ebene. Somit ist der größte Erfolg des Treffens allein schon, dass es überhaupt zu dieser Zusammenkunft kam. Ziel war es, in den Beziehungen beider Länder einen Boden einzuziehen, damit das Verhältnis zunächst nicht noch schlechter wird. Viele Konflikte zwischen den beiden Nationen sind in deren strategischem Wettbewerb verankert und lassen sich daher nicht sofort lösen. Dies wurde auch in den Gesprächen schnell deutlich. Dennoch tauschten sich beide Delegationen über Themen wie den Klimawandel, Künstliche Intelligenz und die Wahlen in Taiwan aus. US-Präsident Biden bezeichnete die Gespräche im Anschluss als „eine der konstruktivsten und produktivsten Diskussionen, die je zusammen geführt wurden“.
Die leicht schwächere US-Inflationsrate und die damit verbundene Erwartungshaltung eines baldigen Endes der restriktiven Geldpolitik löste vergangene Woche eine enorme Euphorie an den Aktienmärkten aus. Zudem veröffentlichte Siemens seine Geschäftszahlen und Hello Fresh korrigierte die Prognosen für 2023 nach unten.
Blick auf die globalen Märkte
Der MSCI World-Index verzeichnete in der Berichtswoche ein Plus von 2,5 Prozent. Die US-amerikanischen Märkte erlebten ebenfalls einen Aufschwung. Der marktbreite S&P 500-Index stieg um 2,1 Prozent, sowie das Tech-Barometer Nasdaq 100 um 2,0 Prozent. Der europäische STOXX Europe 600-Index kletterte in der vergangenen Woche sogar um drei Prozent nach oben. In Frankfurt verzeichnete der DAX 40-Index ein kräftiges Plus von 4,6 Prozent. An den asiatischen Märkten sah das Marktumfeld ebenfalls gut aus. Japans Nikkei 225 gewann 3,1 Prozent an Wert und der chinesische HSCEI Index stieg leicht um 1,2 Prozent.
Siemens feiert Rekordgewinne und Hello Fresh rutscht ab
Während Siemens Energy tief in der Krise steckt, fährt der Stammkonzern Rekordgewinne ein. Im Geschäftsjahr 22/23 (bis 30. September) steigerte Siemens seinen Umsatz um elf Prozent auf 77,8 Milliarden Euro. Der Gewinn konnte mit 8,5 Milliarden Euro sogar nahezu verdoppelt werden, wodurch die Dividende pro Aktie von 4,25 auf 4,70 Euro angehoben wurde. Zudem kündigte die Unternehmensführung an, das Aktienrückkaufprogramm von drei auf sechs Milliarden Euro verdoppeln zu wollen. Anleger honorierten die guten Zahlen mit einem Kursplus der Aktie im Wochenvergleich von knapp 13 Prozent.
Am Mittwoch legte auch der Kochboxversender Hello Fresh sein Zahlenwerk vor, musste in diesem Rahmen allerdings seine Prognosen nach unten korrigieren. Grund dafür sollen temporäre Belastungen im Nordamerikageschäft sein. Der bereinigte Gewinn wurde für das Gesamtjahr auf eine Spanne von 430 bis 470 Millionen Euro angepasst, im Vergleich zu den ursprünglichen 470 bis 540 Millionen Euro. Darüber hinaus musste auch der Umsatzausblick angepasst werden. Statt des erwarteten Wachstums von zwei bis acht Prozent rechnet man nun nur noch mit einem Zuwachs von zwei bis fünf Prozent. Anleger reagierten enttäuscht und straften die Aktien mit einem Wochenverlust von fast 18 Prozent ab.
Zweifel am US-Konsumenten belasten Walmart
Der US-amerikanische Einzelhandelskonzern Walmart, veröffentlichte als eines der letzten großen Unternehmen seine Quartalszahlen. Diese waren an sich solide, der Umsatz des weltweit größten Einzelhändlers lag im dritten Quartal bei 160,8 Milliarden US-Dollar im Gegensatz zu 152,2 Milliarden Dollar vom Vorjahresquartal. Auch der Gewinn je Aktie konnte von 1,50 im Vorjahresquartals auf jetzt 1,53 US-Dollar je Anteilsschein gesteigert werden. Dennoch fiel die Marktreaktion enttäuschend aus und der Kurs gab unmittelbar danach um acht Prozent nach. Der Grund dafür liegt in der hohen Unsicherheit bei den Verbraucherausgaben. Walmarkt beobachtet bereits eine erste Zurückhaltung der US-Konsumenten und dürfte daher gerade vor dem nahenden Weihnachtsgeschäft einen weiter ausgabefreudigen US-Konsumenten auf seinem Wunschzettel haben. Darüber hinaus sieht der Konzern erste deflationäre Tendenzen aufkommen, das könnte ein Umsatzwachstum letztlich erschweren.
Größere Marktreaktionen auf überraschende Konjunkturzahlen sind am Kapitalmarkt nicht ungewöhnlich. Auf den ersten Blick verwundert es aber schon, dass die Renditen am US-Rentenmarkt derart stark fallen, obwohl die Inflationsdaten lediglich 0,1 Prozentpunkte schwächer als erwartet ausfielen. Offenbar lag die Markterwartung wesentlich höher. Noch schwerer wog aber die Erkenntnis, dass die US-Notenbank wohl nun am Ende ihres Zinserhöhungszyklus angekommen sein dürfte. Wenn man bedenkt, dass sich die Mehrheit der Marktteilnehmer in den letzten Monaten schon mehrfach an diesem Punkt sah, dann sollte man auch diesmal im Konjunktiv bleiben, auch wenn sich diesmal die Anzeichen verdichten, dass keine weiteren Zinserhöhungen zu erwarten sind. Die Rendite von zehnjährigen US-Schatzanweisungen ermäßigte sich am Dienstag um 19 Basispunkte. Bei kurzlaufenden Titeln reduzierte sich die Rendite unmittelbar nach den Zahlen um 20 Basispunkte. Bemerkenswerter war aber, wie schnell sich die Erwartungen an die weitere Geldpolitik korrigiert haben. Vor Bekanntgabe der Teuerungsraten lag die Wahrscheinlichkeit für einen weiteren Zinsschritt auf der nächsten Fed-Sitzung bei 30 Prozent. Im Anschluss wurde dieser komplett ausgepreist. Im Gegenzug erhöhte sich die Wahrscheinlichkeit für eine erste Zinssenkung im Mai von 23 auf 86 Prozent. Die klare Botschaft, die von den Inflationszahlen ausging, lautete: The Fed has done!
Urteils aus Karlsruhe stützt Bundesanleihen
Das freundliche Umfeld ließ auch Bundesanleihen im Kurs steigen und sorgte auf diese Weise für fallende Renditen. Für Rückenwind sorgten auch zunehmend aufkommende Konjunktursorgen, sodass auch im Euroraum mehrere Zinssenkungen für das kommende Jahr eingepreist wurden. Als stützend erwies sich aber auch ein überraschendes Urteil aus Karlsruhe. 2021, gleich zu Beginn der Regierungsbildung, verabschiedete die Ampel-Koalition die Umwidmung von 60 Milliarden Euro an nicht benötigten Corona-Hilfen in ein Sondervermögen für den Klimaschutz. Da in diesem Jahr die Schuldenbremse ausgesetzt war, sollten mit diesem Kniff über einen Nachtragshaushalt Schulden gemacht werden, von denen das Land die kommenden Jahre profitieren könne. Gegen diese Maßnahme reichten CDU und CSU später Klage ein und baten um Prüfung, ob damit nicht die Schuldenbremse ausgehebelt worden sei. Der Bundesrechnungshof hatte schon Anfang 2022 so seine Zweifel, ob der Nachtragshaushalt verfassungskonform sei. Zu diesem Schluss kamen nun auch das Bundesverfassungsgericht. Die Richter in Karlsruhe argumentierten, dass ein schon abgeschlossener Haushalt aus dem Vorjahr nicht nachträglich verändert werden kann, die Umwidmung zudem nicht ausreichend begründet gewesen sein und eine höhere Neuverschuldung dürfe nur in Notlagen erfolgen, was hier aber nicht gegeben gewesen sei. Das Urteil hat weitreichende Folgen für die Regierung. Dort klafft nun ein Haushaltsloch. Einige wichtige Projekte stehen sogar auf der Kippe, wie etwa die zugesagte Unterstützung von zehn Milliarden Euro für eine Chipfabrik von Intel in Sachsen-Anhalt. Es ist zunächst fraglich, was noch finanziert werden kann. Für Anleger bedeutet das aber, dass die Schuldenbremse in ihrer jetzigen Form funktioniert. Deutschland wird also weiterhin ein starker Schuldner mit einer hohen Kreditwürdigkeit bleiben und dürfte wohl in den kommenden Jahren weniger Mittel am Kapitalmarkt aufnehmen. Die Erwartung an ein geringeres Angebot wirkte sich daher ebenfalls stützend aus. Auf Wochensicht ging die Rendite zweijähriger Bundesanleihen um 17 Basispunkte auf 2,90 Prozent zurück. Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen gingen von 2,72 auf 2,53 Prozent zurück.
In der kommenden Woche stehen viele wichtige Frühindikatoren auf der Agenda. In der zweiten Wochenhälfte werden sowohl in den USA, als auch in Europa und Japan die Einkaufsmanagerindizes veröffentlicht. In allen Wirtschaftsräumen wird mit einer Stabilisierung auf niedrigem Niveau gerechnet. Vor allem in Europa dürften die Werte weiterhin deutlich unterhalb der Wachstumsschwelle liegen, sollten aber zumindest nicht weiter abfallen. In Deutschland wird am Freitag noch zusätzlich der ifo-Geschäftsklimaindex vorgelegt.
Wir wünschen unseren Leserinnen und Lesern ein schönes Wochenende!
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Stand aller Informationen, Darstellungen und Erläuterungen: 17. November 2023, soweit nicht anders angegeben.
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