Source: https://www.union-investment.de/blog/geopolitik_und_kapitalmaerkte
Das Verständnis für Geopolitik ist Teil des aktiven Fondsmanagements bei Union Investment. Ein Blick hinter die Kulissen bei Research, Analyse und Investmentstrategie.
Donnerstag, 25.06.2026
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Kriege, Handelskonflikte, Rivalitäten zwischen Großmächten: Geopolitik dominiert die Nachrichtensendungen. Aber gilt das auch für den Kapitalmarkt? Klar ist: Geopolitische Krisen haben in der jüngeren Vergangenheit zugenommen. Der Übergang von der Jahrzehnte andauernden, vergleichsweise stabilen Phase der Globalisierung in das Zeitalter des neuen Großmachtwettbewerbs verläuft holprig. Doch welche geopolitischen Entwicklungen beeinflussen die Kapitalmärkte wirklich nachhaltig – und durch welche blickt der Markt hindurch? Bei Union Investment arbeitet ein Expertenteam daran, Antworten auf diese für die Anlegerinnen und Anleger relevanten Fragen zu liefern. Teil dieses Teams sind Sandra Ebner, Senior Economist im Bereich Economics und Macro Strategy, und Anna Velikova, Portfoliomanagerin in der Investmentstrategie.
Sandra Ebner, Volkswirtin
Sandra Ebner arbeitet seit Oktober 2019 als Senior Economist bei Union Investment. In der Gruppe Economics und Macro Strategy beschäftigt sie sich mit Geopolitik und thematischem Research, beispielsweise zur US-Politik.
Anna Velikova, Portfoliomanagerin
Anna Velikova ist seit Februar 2022 als Portfoliomanagerin in der Gruppe Investment Strategy bei Union Investment. Sie übersetzt geopolitische Szenarien und thematische Analysen in konkrete Investmentideen.
Die Welt befindet sich in einem tiefgreifenden Wandel. Der Großmachtwettbewerb zwischen den USA und China um die wirtschaftliche, technologische und militärische Vormacht hat sich in den vergangenen Jahren massiv verschärft. Die globalisierte Weltordnung, die vor allem aufgrund weitreichender gegenseitiger Abhängigkeiten so stabil war, kommt unter Druck. Staaten setzen im Rahmen der strategischen Rivalität wieder vermehrt auf Abschottung und zwingen damit auch Unternehmen in einen teils schmerzhaften Transformationsprozess. Die Entwicklungen sind am Kapitalmarkt deutlich zu spüren. „Die geopolitische Analyse ist für uns kein Selbstzweck“, erklärt Sandra Ebner. „Doch da, wo ein klarer Wirkungskanal existiert, setzen wir an, um aktives Risiko- und Chancenmanagement zu betreiben.“ Gemeinsam mit Anna Velikova beobachtet die Wirtschaftswissenschaftlerin systematisch die geopolitischen Spannungsfelder, entwickelt Szenarien und übersetzt diese in konkrete Investmentthemen.
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Kaum eine Region verdeutlicht dieses Zusammenspiel so eindrucksvoll wie Taiwan. Die Insel und ihre Unabhängigkeit sind weit mehr als ein geopolitischer Streitpunkt zwischen China und dem Westen: Taiwan ist ein strategisches Nadelöhr für die Weltwirtschaft. Nach Zahlen von Union Investment passieren jährlich 44 Prozent der weltweiten Containerflotte die Taiwanstraße. 92 Prozent der global benötigten Hochleistungschips werden in Taiwan produziert. Gleichzeitig ist Taiwan hochgradig verwundbar: 98 Prozent des eigenen Energiebedarfs müssen importiert werden. „Ein ernsthafter Konflikt rund um Taiwan wäre kein regionales Ereignis“, betont Sandra Ebner. „Unabhängig von seiner politischen Tragweite würde er globale Lieferketten, die Halbleiterindustrie und damit praktisch jeden Sektor treffen, der auf moderne Elektronik angewiesen ist. Das ist für uns als Investoren ein reales Risiko, dessen Auswirkungen wir analysieren müssen.“
Der Irankrieg war dabei eine Art Blaupause – wenn auch mit deutlich abgeschwächter Wirkung. Dennoch: Dass die Straße von Hormus innerhalb kürzester Zeit quasi geschlossen wurde und dies auch mehrere Monate so bleibt, wäre früher undenkbar gewesen. Ebenso wie der Fakt, dass die Weltwirtschaft als Folge nur einen kleinen Dämpfer erhielt – und eben nicht in die Rezession abrutschte wie bei der letzten großen Ölkrise in den 1970er Jahren. Doch auch das ist geopolitische Analyse: Historische Analogien sehen, aber auch klar die Unterschiede benennen. Die Weltwirtschaft ist einfach viel weniger abhängig vom Öl als noch vor 50 Jahren. „Wir haben vom Irankrieg zwar einiges über den Ablauf künftiger Konflikte gelernt, und die Börsen haben auch kräftig gezuckt. Eine nachhaltige Kapitalmarktwirkung erwarten wir aber nicht“, ordnet Sandra Ebner ein.
Und während der Irankrieg und das Taiwan-Szenario vor allem durch die „Risiko-Brille“ betrachtet werden, schaffen strukturelle geopolitische Veränderungen auch Investitionsmöglichkeiten. „Wir identifizieren die Themen hinter den Umbrüchen und machen uns auf die Suche nach Profiteuren“, erklärt Investmentstrategin Anna Velikova. Beispiel europäische Eigenständigkeit. Die vergangenen Jahre haben gezeigt, dass die vielen Abhängigkeiten Europa verwundbar machen. Die russische Invasion in der Ukraine legte dies bei der Energieversorgung, aber auch der Verteidigungsfähigkeit offen. China wiederum verdrängt mit seinen Exporten zunehmend europäische Konzerne – vor allem in China selbst, aber verstärkt auch in Europa und auf Drittmärkten. Die Politik reagiert mit einem Strategieschwenk und massiven Investitionsprogrammen – das wirkt sich auch auf Europas Unternehmen aus. „Branchen wie Verteidigung, Cybersecurity, Raumfahrt, Industrie, Energieversorgung und Gesundheit profitieren von den Investitionen in Wettbewerbsfähigkeit und Widerstandsfähigkeit“, berichtet Anna Velikova von ihren Analyseergebnissen. „Damit machen wir geopolitische Themen für Investoren konkret und greifbar.“
Sandra Ebner und Anna Velikova arbeiten an der Schnittstelle von Geopolitik, Volkswirtschaft und Investmentstrategie. Wenn sie geopolitische Ereignisse beobachten, stellen sich ihnen vor allem drei Fragen:
1. Was verändert sich strukturell? Nicht jede geopolitische Entwicklung ist kurzfristiger Natur. Manche – wie der Aufstieg Chinas, die Erosion westlicher Sicherheitsgarantien oder der Wettbewerb um kritische Rohstoffe – verändern dauerhaft die Rahmenbedingungen für Investitionen.
2. Wo entstehen neue Abhängigkeiten und Brüche? Strategische Engpässe („Chokepoints“) wie Meerengen, Halbleiterfabriken oder Energienetze werden zunehmend als geopolitische Machtinstrumente eingesetzt. Das schafft neue Verletzbarkeiten, aber auch Investitionsmöglichkeiten.
3. Welche Szenarien müssen eingepreist werden? Das Team um Sandra Ebner und Anna Velikova entwickelt konkrete Risikoeinschätzungen: Was könnte passieren, wenn sich ein bestimmtes Szenario verschärft? Welche Branchen wären besonders betroffen? Welche Portfolioallokation wäre unter diesen Bedingungen angemessen?
Wer die strukturellen Kräfte versteht, die die Märkte bewegen – den Großmachtwettbewerb, die Neuausrichtung von Lieferketten, den Rüstungsboom in Europa oder den Kampf um Technologieführerschaft –, der kann Risiken frühzeitig erkennen und Möglichkeiten gezielt nutzen. Genau das ist der Anspruch, den Sandra Ebner und Anna Velikova an ihre tägliche Arbeit haben. Diese Fähigkeit, den Gesamtüberblick zu haben und daraus konkrete Schlussfolgerungen und Maßnahmen für das jeweilige Portfolio abzuleiten, ist eines der Merkmale des aktiven Fondsmanagements von Union Investment. Denn die Welt ist komplex, und langfristige Investmententscheidungen dürfen diese Komplexität nicht ignorieren.
Wollen Sie erfahren, für welche Geldanlagen solche Analysen zu globalen Umbrüchen und geopolitischen Veränderungen erstellt werden? Ihre Beraterinnen und Berater aus der genossenschaftlichen Bankengruppe informieren Sie gerne. Außerdem finden Sie auf der Website fünf Thesen mit Einschätzungen zum Kapitalmarkt im zweiten Halbjahr 2026 .
Bitte lesen Sie den Disclaimer.
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1 Beiträge
Friedhelm Bals 01.07.2026
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awerwer
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