Source: https://www.union-investment.de/blog/was-ist-inflation
Wir erklären, was Inflation ist
Mittwoch, 28.06.2023
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10 Euro sind 10 Euro? Stimmt. Doch vor einigen Jahren konnten Sie dafür noch ein bisschen mehr kaufen. Grund dafür ist die Inflation.
Ein Eisbällchen für 15 Cent? Wenn Sie eines für diesen Preis kaufen möchten, müssten Sie mehr als 40 Jahre in der Zeit zurückreisen. Denn Anfang der 1980er-Jahre kostete in deutschen Eisdielen eine Kugel Eis durchschnittlich 30 Pfennig, in Euro umgerechnet um die 15 Cent. Heute kostet ein Bällchen Eis im bundesweiten Durchschnitt 1,62 Euro. Die Preise variieren je nach Stadt und Lage der Eisdielen: durchschnittlich 1,37 Euro in Wuppertal und stattliche 2,03 Euro in München. Durchschnitt heißt, dass Sie in Randlagen auch noch Eis für 1 Euro bekommen können. In Innenstadtlagen allerdings verlangen Eisdielen in diesem Sommer durchaus über 2,50 Euro für eine Kugel. Ganz schön viel Geld. Worauf ist die Preisanhebung zurückzuführen?
Die Hauptgründe für die Teuerung: Rohstoffe, Energie und Löhne. Die Preisanpassung nach oben ist vor allem in den gestiegenen Produktionskosten und den hohen Preisen für die Zutaten begründet. Die Preise für Milch und Zucker – die wichtigsten Rohstoffe bei der Eisproduktion – sind in den letzten Monaten stark gestiegen. Neben den Energie- und Lebensmittelkosten machen sich aber auch der erhöhte Mindestlohn und das neue Verpackungsgesetz bemerkbar, denn die Schälchen und Löffel aus Papier sind um einiges teurer im Einkauf. Auch spielen mögliche Mieterhöhungen für die Eisdielen eine Rolle. Zahlen des Statistischen Bundesamtes zeigen, dass die Erzeugerpreise für Speiseeis von Februar 2022 bis Februar 2023 um knapp 30 Prozent gestiegen sind. Kein Wunder also, dass eine Kugel Eis in diesem Jahr zwischen 20 und 40 Cent mehr kostet als noch im letzten Sommer.
Allein der Preis von einem Kilo Zucker ist innerhalb von einem Jahr im Discounter von 80 Cent auf 1,50 Euro geklettert (Stand: April 2023). Im Februar lag der Zuckerpreis sogar 90,4 Prozent über dem Preis des Vorjahresmonats. Der Grund: Die Nachfrage ist zwar weiterhin hoch, doch der Weltmarkt bietet derzeit zu wenig Zucker an. Warum ist das so? Wie bei vielen anderen Lebensmitteln hängt die Verknappung und damit auch der Preisanstieg mit dem Krieg zwischen Russland und der Ukraine zusammen: Lieferketten wurden unterbrochen oder verlangsamt. Darüber hinaus sorgten die gestiegenen Energiepreise für höhere Kosten bei der Herstellung und Raffination von Zucker. Dazu kam der heiße Sommer 2022, der mit seinen Hitzewellen und Dürren zu einer knapperen Ernte führte.
Aber nicht nur für Speiseeis müssen Sie tiefer in die Tasche greifen als noch vor einem Jahr. Die Preise der Verbrauchsgüter waren im Februar 2023 um 17,9 Prozent höher als noch im Februar 2022; im Januar stiegen die Preise für Nahrungsmittel sogar um 23,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Seit Monaten scheint alles teurer zu werden: Dienstleistungen, Nahrung, Freizeit oder Wohnen. Sie können sich für das gleiche Geld insgesamt weniger kaufen. Hält diese Entwicklung länger an, spricht man von Inflation. Im November 2022 lag die Inflationsrate bei 8,8 Prozent verglichen mit dem Vorjahresmonat und im April 2023 bei 7,2 Prozent. Im Mai 2023 ist die Inflationsrate auf 6,1 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat und damit deutlich stärker gesunken als allgemein erwartet wurde. Bemerkenswert dabei ist, dass der Preistreiber Energie (+ 2,6 Prozent im Mai 2023) von den Nahrungsmittelpreisen (+ 14,9 Prozent) abgelöst wurde. Für die Preissteigerung bei den Lebensmitteln sind verschiedene Faktoren verantwortlich. Dazu gehören die höheren Energiekosten, Dürren, die schwierige geopolitische Lage und der Arbeitskräftemangel.Steigende Preise spüren wir besonders bei Dingen, die wir beinahe täglich brauchen. Vor allem bei Lebensmitteln, auf die wir nicht verzichten können. So stark haben sich die Preise für Brot, Kartoffeln und Eier in den vergangenen 40 Jahren verändert:
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Die Inflation macht sich allerdings nicht nur in der Eisdiele oder an der Ladenkasse bemerkbar. Auch beim Sparen spielt sie eine Rolle. Problematisch wird es zum Beispiel dann, wenn die Zinsen niedriger sind als die Inflation. Die Zinserträge werden dann durch die Inflation aufgezehrt. Anders ausgedrückt: Wer sein Geld auf einem Sparbuch oder Tagesgeldkonto parkt, der verliert Monat für Monat einen Teil seines Ersparten. Die Leitzinsen wurden in letzter Zeit zwar stark angehoben, auf derzeit 4 Prozent (Stand: 15. Juni 2023), aber die Inflation von aktuell 6,1 Prozent (Stand: Mai 2023) lässt das Ersparte immer noch schneller schrumpfen, als die Zinsen es wachsen lassen könnten.
Es kann daher sinnvoll sein, einen Teil des Ersparten in chancenorientiertere Anlageformen wie Investmentfonds zu investieren. Jeder, der Geld zur Seite legt, sollte also die Inflation im Auge behalten.
Der ursprüngliche Beitrag wurde am 11. August 2021 veröffentlicht und am 28. Juni 2023 aktualisiert.
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6 Beiträge
Horst Wachter 17.08.2021
Inflation sehr anschaulich erklärt - einfach klasse!
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Hans Georg Sattler 25.08.2021
Ihre Tabelle über die Preissteigerung einiger Lebensmittel gefällt mir sehr. Sie zeigt anschaulich, wie stark der Preisanstieg gerade beim Bedarf des täglichen Lebens ist.
J.Kiehlmann 26.08.2021
1981 gab es noch keinen € und damit keinen Cent! Ist hier der Preis für 1981 schon umgerechnet? Dann hätte die Kugel Eis 30 Pfennig gekostet und das Kilo Roggenbrot 3 DM. Dann wäre der Preisanstieg schon etwas moderater. Mir würde ein Vergleich bei Elektrogeräten interessieren. Fernseher werden wie doll gekauft und die waren früher erheblich teurer.
Heiko Lewandowski 26.08.2021
Antwort zu Kommentar von J.Kiehlmann
Leider ist die Presientwicklung - z.B. im Bezug auf das Roggenbrot - nicht moderater. Das Ergebnis auf der rechten Seite ( 2021 ) müsste dann auch in DM umgerechnet werden ( 4 EUR x 1,9532 = DM 7,81 ). Also nahezu 8 DM
Union-Investment 26.08.2021
Guten Tag Herr Kiehlmann, wir haben hier die D-Mark-Preise berücksichtigt und sie zur besseren Vergleichbarkeit von D-Mark in Euro umgerechnet. Bei dieser Tabelle haben wir eine Übersicht der Preisentwicklung für die Dinge dargestellt, die wir praktisch täglich brauchen. So wie zum Beispiel Lebensmittel. Ihren Wunsch nach einer Übersicht für Elektrogeräte habe ich gern an unsere Redaktion weitergeleitet. Viele Grüße aus Frankfurt, Wirsawija Sailer.
Horst Wachter 26.08.2021
... wie der Fußnote in der Tabelle zu entnehmen ist, wurde der Preis 1981 bereits in € umgerechnet!
Chales de Beaulieu 05.09.2021
Nette Geschichte, aber irgendwie verniedlichend. Wenn dies das Erklärungsniveau der Union Investment ist, dann lieber nicht. Im übrigen ist der Preisanstieg der vergangenen fünf oder drei Jahre diskussionswürdig. Das Stabilitätsgesetz benennt mit dem "Magischen Viereck" die Grundkonstanten einer Staatwirtschaft: Wirtschaftswachstum, Vollbeschäftigung, Preisstabilität und außenwirtschaftliches Gleichgewicht. Alle werden von der jetzigen Politik ad absurdum geführt. Einzig Blasenwachstum durch Geldmengenausweitung ist politisch über die EU gewollt, die Nationalbanken sind außen vor, die fachkundigen Politiker ebenso und die Wissenschaft auch. Gnade uns Gott wenn diese Blase, was schreibe ich "finanzielle Atombombe" platzt.
Union-Investment 06.09.2021
Antwort zu Kommentar von Chales de Beaulieu
Guten Tag Herr de Beaulieu, vielen Dank für Ihren Kommentar und Ihr Interesse. Mit unserem Blog möchten wir Informationen zu allgemeinen Finanzthemen liefern, die für jeden Leser verständlich sind. Ziel des Beitrags ist es, vereinfacht zu erklären, was Inflation ist. Wir haben dazu Beispiele aus dem täglichen Leben verwendet – wie die Kugel Eis in der Eisdiele. Unser Beitrag hat nicht das Ziel, das Stabilitätsgesetz zu erklären oder zu bewerten. Dank schön für Ihr Verständnis und viele Grüße aus Frankfurt Steffi Rogge.
Michael Schaible 07.04.2022
Welche Quellen wurden für die Tabelle denn herangezogen?
Union-Investment 07.04.2022
Antwort zu Kommentar von Michael Schaible
Guten Tag Herr Schaible, die Preise variieren je nach Anbieter und Qualität der Produkte. Für weitere Recherchen ist das Statistische Bundesamt eine gute Grundlage. Viele Grüße Niklas Zgraja
awerwer
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