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Monatliche Information zu den Kapitalmärkten für den Handelsmonat Mai 2026
Die Straße von Hormus war auch im Mai weitgehend blockiert. Pro Tag fehlen dem Weltmarkt etwa 14 Millionen Barrel Rohöl aus der Golfregion – das sind 14 Prozent der globalen Produktion. Die im Berichtsmonat zwischenzeitlich deutlich höheren Staatsanleiherenditen spiegelten die Sorge bezüglich einer weiter ansteigenden Inflation wider. Die Hoffnung auf einen baldigen Durchbruch bei den Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran hat dann in der zweiten Monatshälfte aber zu einer Beruhigung an den Rentenmärkten geführt. Die Aktienbörsen zeigten sich trotz einem kleinen Rücksetzer von all dem unbeirrt und stiegen teils deutlich an. Auch wenn der Konflikt noch nicht beigelegt ist, gibt es Gründe für die Zuversicht: Das US-Wachstum bleibt robust und die Effekte auf die Inflation sollten kurzfristiger Natur sein. Und auch die Berichtssaison zum ersten Quartal hat gezeigt, wie robust die Unternehmen aufgestellt sind.
Prognosen leicht geändert
Da der Ölpreis länger als zunächst erwartet auf höherem Niveau verharren könnte, haben wir unsere Prognosen für das globale Wirtschaftswachstum erneut etwas gesenkt und jene für die Inflationsraten leicht erhöht. Für die USA gehen wir 2026 von einem Anstieg des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 2,3 Prozent aus (statt 2,4) und für den Euroraum von 0,8 Prozent (nach 1,1). Japan dürfte um 0,4 Prozent wachsen (statt 0,7). Da das US-Wachstum nahezu unverändert bleibt, erhält die Weltwirtschaft somit insgesamt nur einen leichten Dämpfer. Wir erwarten selbst bei einer erneuten Verschlechterung der Lage keine globale Rezession. Auch haben wir unsere Inflationsprognosen für 2026 erneut angehoben: In den USA auf 3,5 Prozent (vorher 3,2) und im Euroraum auf 2,8 Prozent (vorher 2,6). Japan bleibt mit 2,6 Prozent unverändert. Unsere Annahme, dass die Energiepreise die Verbraucherpreise nur kurzfristig verteuern, bleibt bestehen.
Blick auf die Zinspolitik
Wir gehen davon aus, dass die großen Notenbanken nicht überstürzt mit Zinserhöhungen auf den kräftigen Energiepreisanstieg antworten werden. Die Federal Reserve (Fed) dürfte über den Energiepreisschock hinwegsehen, solange sich keine Zweitrundeneffekte abzeichnen. Auch sind Zinssenkungen aus fundamentaler Sicht aufgrund des guten US-Wachstums und einer Inflation über dem Fed-Ziel eigentlich nicht angebracht. Der nun seit Mitte Mai amtierende Fed-Chef Kevin Warsh dürfte unserer Meinung nach dennoch eine leicht expansivere Geldpolitik als nötig verfolgen – mit einer Zinssenkung im zweiten Halbjahr 2026. Voraussetzung dafür ist, dass der Zolleffekt im Sommer ausläuft und es zu einer zeitnahen Lösung im Iran-Konflikt kommt. Mit einer dort länger andauernden angespannten Lage steigt aber das Risiko, dass diese Senkung erst etwas später erfolgen werden. Am Markt wurde daher zuletzt aufgrund dieses steigenden Risikos für die US-Notenbank bis zum Jahresende keine Zinssenkung mehr eingepreist.
Mit zwei Zinserhöhungen bis Jahresende fallen die Zinserwartungen im Euroraum deutlich höher aus. Wir haben unsere Einschätzung etwas angepasst und erwarten nun eine Zinserhöhung der Europäischen Zentralbank (EZB) um 25 Basispunkte auf der nächsten Sitzung am 11. Juni. Grund dafür ist die höhere Abhängigkeit der Währungsunion von Energieimporten und der damit einhergehende stärkere Inflationsanstieg. Gleichwohl: Ein weitergehender und ausgeprägter Zinsanhebungszyklus bleibt unserer Einschätzung nach weiterhin unwahrscheinlich. Hierfür sind die Rahmenbedingungen nicht gegeben.
Globale Aktien erzielten in den vergangenen Wochen überraschend weitere Kursgewinne. Obwohl die Straße von Hormus weitgehend blockiert war, strebten die Markt nach oben. Mitte Mai gerieten die Kurse aufgrund des starken Renditeanstiegs im Rentenbereich zwar zwischenzeitlich unter Druck. Gegen Monatsende purzelten jedoch die Rekorde. Sowohl der Dow Jones Industrial Average (plus 2,9 Prozent), der S&P-500-Index (plus 5,2 Prozent) als auch der Technologieindex Nasdaq 100 (plus 8,4 Prozent) erreichten am Monatsende historische Höchststände.
NVIDIA veröffentlicht Quartalszahlen
Treiber der Kursrally war erneut der Technologiesektor mit NVIDIA, der vom KI-Boom befeuert wurde. Halbleiterwerte erwiesen sich als besonders resilient gegenüber dem steigenden Ölpreis. Der Philadelphia Semiconductor Index (SOX) verzeichnete eine historische Hausse, die teilweise die Dynamik des Dotcom-Booms in den späten 1990er-Jahren übertraf. Der Speicherchip-Superzyklus läuft weiter, wovon insbesondere die Börsen in Südkorea und Taiwan, dort ist der Chip-Hersteller TSMC ansässig, profitieren konnten. Zudem vermeldete das Unternehmen NVIDIA im Rahmen des Quartalberichts einen Rekordumsatz in Höhe von fast 82 Milliarden US-Dollar – ein Plus von 85 Prozent im Jahresvergleich und 20 Prozent gegenüber dem Vorquartal. Der Datencenter-Umsatz allein betrug 75 Milliarden US-Dollar. NVIDIA kündigte ein neues Aktienrückkaufprogramm über 80 Milliarden US-Dollar an. Zudem soll die Quartalsdividende von 0,01 auf 0,25 US-Dollar je Aktie erhöht werden.
Die europäischen Börsen tendierten ebenfalls freundlich, konnten aber wertentwicklungsseitig nicht ganz mit den US-Pendants mithalten. Der marktbreite STOXX EUROPE 600-Index legte um 3,0 Prozent zu. Der DAX 40 ging mit einem Plus von rund 3,3 Prozent aus dem Handelsmonat Mai. Auch hier waren die Blicke der Anleger aus Sektorensicht auf den Technologiebereich gerichtet.
Starke Zugewinne waren zudem in Asien zu verzeichnen. Der Nikkei 225-Index legte um fast zwölf Prozent zu, der MSCI-Asien etwas mehr als 13 Prozent.
Berichtssaison mit positiven Impulsen
Mit Blick auf die Berichtssaison für das erste Quartal 2026 gab es insgesamt positive Impulse. Auf globaler Ebene konnten fast drei Viertel der Unternehmen die Gewinnerwartungen der Analysten übertreffen, auch die Höhe der Gewinne lag deutlich über dem historischen Durchschnitt. In Europa übertraf der Großteil der Unternehmen im STOXX-600-Index die Gewinnerwartungen. Im Gegensatz zu den vergangenen Quartalen, in denen vor allem Finanzwerte dominierten, verteilten sich die positiven Tendenzen diesmal auf mehrere Branchen.
An den Staatsanleihemärkten war im Mai eine hohe Volatilität zu beobachten. Die Entwicklung war von einem Mix aus Inflationssorgen, der anhaltenden geopolitischen Unsicherheit (USA/Iran) und auch fiskalpolitischem Druck durch die Notenbanken geprägt. In der ersten Monatshälfte stiegen die Renditen sowohl in den USA als auch im Euroraum zunächst deutlich an, bildeten sich dann im weiteren Monatsverlauf im Rahmen einer freundlichen Stimmung am Markt aber wieder zurück. Mit Blick auf die jeweiligen maßgeblichen Indizes schlossen die Rentenmärkte im Berichtsmonat leicht im Plus.
US-Treasuries nahezu unverändert
In den USA erhöhte sich die richtungsweisende Zehnjahresrendite bis zur Monatsmitte um 30 Basispunkte auf 4,69 Prozent. Mit 4,45 Prozent lag die Rendite zum Monatsende aber nur noch leicht über dem Monatsbeginn. Auf der US-Zinskurve war im Mai vor allem der kurze bis mittlere Bereich (2-5 Jahre) von einem etwas deutlicheren Renditeanstieg betroffen, sodass diese über den kurzen, vorderen Bereich leicht flacher tendierte. So legten etwa Dreijahrespapiere um 16 Renditestellen zu. Aber auch die 30jährige Staatsanleihe stand zeitweise im Blickpunkt. Mit 5,18 wurde vorübergehend der höchste Renditestand seit 2007 erreicht. Über Erwartung liegende Inflationsdaten und eine schwache Nachfrage bei der Auktion langfristiger Anleihen drückten dort zwischenzeitlich deutlich auf die Anleihekurse, ehe es im langfristigen Anlagebereich zu wieder verstärktem Kaufinteresse kam. Unter dem Strich betrachtet lag der repräsentative J.P. Morgan Global Bond US-Index im Gesamtertrag (und damit den anteiligen Zinsertrag berücksichtigt) im Mai aber leicht über der Nulllinie.
Euro-Staatsanleihen gefragt
Im Euroraum verlief die Entwicklung parallel zu den USA, schloss aber deutlich positiver nach der Erholung in der zweiten Monatshälfte. Mit Blick auf die Bund-Kurve war eine komplette Rendite-Verschiebung nach unten zu beobachten. Der Rückgang umfasste je nach Laufzeit fünf bis zehn Basispunkte. Die richtungsweisende Zehnjahresrendite fiel um 10 Stellen auf 2,94 Prozent. Der Renditerückgang im Mai umfasste alle Staatsanleihemärkte des Euroraums. Die Marktteilnehmer rechnen zwar mit einer baldigen Zinserhöhung durch die Europäische Zentralbank, tragen jedoch auch der schwächeren Konjunkturdynamik Rechnung. Gemessen am iBoxx Euro Sovereign-Index gewannen Euro-Staatsanleihen im Berichtsmonat 1,1 Prozent hinzu.
Mit Blick auf Großbritannien durchbrachen dort Mitte Mai die zehnjährigen britischen Gilts erneut die Fünf-Prozent-Marke und rentierten mit 5,2 Prozent zunächst auf einem neuen Hoch. Hintergrund ist die politische Krise, die durch erhebliche Verluste der regierenden Labour-Partei bei den jüngsten Kommunalwahlen ausgelöst wurde. Dennoch hält Premierminister Keir Starmer an seinem Amt fest. Auch dort führte eine im Anschluss freundlichere Stimmung zu einem Renditerückgang in Richtung 4,8 Prozent.
Euro-Unternehmensanleihen ebenfalls leicht im Plus
Europäische Unternehmensanleihen zeigten sich im Mai in weiten Teilen stabil. Zum Monatsende profitierten Papiere mit guter Bonität von den rückläufigen Staatsanleiherenditen und sich leicht einengenden Credit-Spreads. Vor allem das High-Yield-Segment konnte kurz vor Monatsende einen deutlichen Rückgang der Risikoaufschläge aufweisen. Der Primärmarkt war mit zahlreichen Platzierungen erneut sehr aktiv. Die Neuemissionsprämien zogen leicht an, blieben bei den liquideren Unternehmen mit drei bis fünf Basispunkten aber begrenzt. Insgesamt wurden die Neuemissionen aufgrund von Renditeüberlegungen seitens der Investoren unverändert gut am Markt aufgenommen. Der für Investment Grade-Unternehmenspapiere repräsentative ICE BofA Euro Corp.-Index, ER00 gewann im Mai 0,9 Prozent hinzu.
US-Dollar wertet leicht auf
Der Euro verlor im Berichtsmonat leicht gegenüber dem US-Dollar. Gestartet war die Gemeinschaftwährung zu einem Wechselkurs von 1,1730 US-Dollar je Euro, fiel dann auf 1,1575, ehe es in Richtung 1,1659 zum Monatsende ging.
Trotz der vielfältigen politischen und ökonomischen Risiken erachten wir das Umfeld für chancenorientierte Anlageklassen insgesamt als gut. Die Titelauswahl bleibt in diesem volatilen Umfeld aber wichtig. Wir sind nach wie vor verhalten optimistisch für Aktien. Neben den weitgehend positiven Impulsen aus der Berichtssaison bleibt das Makro-Umfeld unterstützend. Die Bewertungen im KI-Bereich sind teilweise aber schon recht hoch, hier müssen Anleger differenzieren. Mit großem Interesse dürfte der für den 12. Juni geplante Börsengang des US-Raumfahrt- und KI-Unternehmens Space-X verfolgt werden. Aus regionaler Sicht bevorzugen wir zurzeit Aktien aus den USA, während wir gegenüber Europa und den Schwellenländern neutral eingestellt sind.
Angesichts der hohen Energiepreise und der daraus resultierenden möglichen negativen Effekte auf die Inflation bleiben wir gegenüber Staatsanleihen aus der Eurozone vorsichtig. Für höhere Renditen spricht auch, dass die Staatsverschuldung im Euroraum durch höhere Investitionsausgaben steigen dürfte. Gute Chancen sehen wir nach wie vor bei Pfandbriefen und Euro-Unternehmensanleihen mit guter Bonität, aber auch bei High Yield-Anleihen aus dem Euroraum.
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