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Monatliche Information zu den Kapitalmärkten für den Handelsmonat Juni 2026
Auch in diesem Monat dominierte die Geopolitik die Märkte. Nach erhöhten Energiepreisen und zunehmenden Inflationssorgen, deutete sich Mitte des Monats eine Entspannung der Lage im Nahen Osten an. Am 18. Juni unterzeichneten US-Präsident Trump und Irans Präsident Peseschkian eine Absichtserklärung zur Beilegung des Konflikts („Memorandum of Understanding“). Dieses vorläufige Friedensabkommen beinhaltete die Beendigung aller Militäreinsätze sowie die Öffnung der für die globale Ölversorgung wichtigen Straße von Hormus und die Aufhebung der US-Seeblockade iranischer Häfen. Die Aktien- und Rohstoffmärkte atmeten auf.
Deeskalationen bereits seit Monatsanfang eingepreist
Nachdem am 25. Juni ein iranisches Projektil jedoch ein Frachtschiff traf, warfen sich beide Seiten Verstöße gegen den vorläufigen Waffenstillstand vor. Erst am Monatsende einigten sich die Parteien auf eine vorübergehende Einstellung der Kampfhandlungen im Golf und auf die Wiederaufnahme von Verhandlungen in Katar.
Für die Kapitalmärkte bedeutet dieser Deal zunächst eine deutliche Verringerung des geopolitischen Risikos und verursachte ein Aufatmen vor allem an den Aktien- und Rohstoffmärkten. Seit Anfang Juni wurden aber bereits Deeskalationen an den Energiemärkten eingepreist. Bis sich die Ölproduktion und der Schiffsverkehr wieder normalisieren, wird es allerdings noch einige Monate dauern. Die Straße von Hormus ist zwar wieder frei, die Lagerbestände bleiben zunächst aber niedrig. Bis die Speicher wieder gefüllt sind dürfte der Ölmarkt noch erhöhten Schwankungen unterliegen.
Robustes US-Wachstum, Europa stärker belastet
Mit der Öffnung der Straße von Hormus sollten die Effekte des Iran-Konflikts auf die Weltwirtschaft nach und nach abklingen. Denn auch wenn sich die wirtschaftliche Aktivität insgesamt recht robust zeigte, wurden leichte Bremsspuren sichtbar. Am geringsten fällt dieser Effekt für die US-Wirtschaft aus. Hier erweisen sich die Verbraucher als widerstandsfähig, zudem entwickeln sich die Unternehmensinvestitionen dynamisch. Die Einkaufsmanagerindizes zogen zuletzt merklich an. Wir gehen 2026 daher unverändert von einem Anstieg des Bruttoinlandsprodukts (BIP) auf 2,3 Prozent aus. Auch im kommenden Jahr dürfte die Wirtschaft um 2,3 Prozent wachsen.
In der Eurozone verbesserte sich die Wirtschaftsstimmung im Juni um 1,3 Punkte auf 95,0 Zähler, blieb damit aber unter dem langfristigen Durchschnitt von 100 Punkten. Insgesamt bleibt das Wachstumsbild in Europa verhalten, wenngleich sich die europäische Wirtschaft widerstandsfähiger als erwartet zeigt. Wir rechnen mit einem BIP von 0,7 Prozent für das Gesamtjahr 2026 und einem Anstieg auf 1,5 Prozent im Jahr 2027. Deutschland bildet dabei den Mittelwert mit 0,8 Prozent für das Jahr 2026 und 1,6 Prozent BIP-Wachstum im nächsten Jahr.
EZB hebt erstmals seit September 2023 wieder die Zinsen an
Sowohl die Europäische Zentralbank (EZB) als auch die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) überraschten in den letzten Wochen mit einer eher restriktiveren Geldpolitik, wenn auch aus unterschiedlichen Ausgangspositionen.
Die Europäische Zentralbank (EZB) hat auf ihrer Sitzung am 11. Juni das Zinsband wie erwartet um 25 Basispunkte angehoben – nach genau 12 Monaten unverändertem Leitzins. Der Einlagesatz liegt somit nun bei 2,25 Prozent (Hauptrefinanzierungssatz bei 2,40 Prozent und Spitzenrefinanzierungssatz bei 2,65 Prozent). Die Entscheidung fiel einstimmig aus, andere Optionen wurden gar nicht erst diskutiert. Die Kommunikation auf der Sitzung drehte sich vor allem um die Auswirkungen des Iran-Krieges und insbesondere um die in diesem Zusammenhang gestiegenen Inflationsrisiken. Die EZB vermied es aber aufgrund der hohen Unsicherheit, sich für die nächsten Sitzungen festzulegen. Damit sichert sich die EZB für die kommenden Monate den größtmöglichen Spielraum und eine gute Ausgangsposition, um auf alle weiteren Entwicklungen reagieren zu können. Wir rechnen weiterhin nicht mit einem Zinsanhebungszyklus. Die Deeskalation in Iran-Konflikt unterstützt unsere Einschätzung, dass ein weiterer Zinsschritt im September nicht notwendig ist.
Die US-Notenbank hielt bei der ersten Sitzung unter dem neuen Vorsitzenden Kevin Warsh am 17. Juni nunmehr zum vierten Mal in Folge die Leitzinsen unverändert bei 3,50 bis 3,75 Prozent. Die Abstimmung fiel erstmals seit Juni 2025 mit 12 zu 0 wieder einstimmig aus. Maßgeblich dazu beigetragen hat das Ausscheiden von Stephen Miran aus dem Fed Board, der sich seit September 2025 durchgängig für (stärkere) Zinssenkungen ausgesprochen hatte. Die bisherige Lockerungsneigung wurde ersatzlos gestrichen und durch ein klares Bekenntnis zur Preisstabilität ersetzt. Die Leitzinserwartungen der Notenbankgouverneure zeigen für das restliche Jahr ein gespaltenes Bild: Die Hälfte der Mitglieder halten bis Ende 2026 mindestens eine Zinserhöhung für angemessen, während die andere Hälfte ein unverändertes Zinsniveau oder gar eine Zinssenkung präferiert. Unserer Meinung nach dürfte Warsh dennoch eine leicht expansivere Geldpolitik als nötig verfolgen – mit einer Zinssenkung im zweiten Halbjahr 2026. Voraussetzung dafür ist, dass der Zolleffekt im Sommer ausläuft und Zweitrundeneffekte des Iran-Konflikts ausbleiben. Mit einer länger andauernden angespannten Lage steigt aber das Risiko, dass diese Senkung erst etwas später erfolgen wird.
Die internationalen Aktienmärkte schlossen das erste Halbjahr 2026 auf einem soliden Niveau ab. Die geopolitische Entspannung durch das US-Iran-Abkommen und der daraus resultierende Ölpreisverfall sorgten zunächst für Rückenwind. Robuste Unternehmensgewinne wirkten zusätzlich unterstützend. Zur Monatsmitte sorgten jedoch Inflationssorgen und die Fed-Entscheidung für Gegenwind.
Neues Rekordhoch in Europa
Insgesamt zeigt sich im Juni an den internationalen Aktienmärkten ein gemischtes Bild. Der S&P 500 verlor ein Prozent, der Dow Jones konnte hingegen 2,65 Prozent zulegen. Ähnlich, aber leicht besser sah das Bild auch in Europa aus. Der STOXX 600 legte 2,64 Prozent zu, der Euro STOXX 50 sogar 4,66 Prozent. In Deutschland verlor der DAX jedoch 0,43 Prozent. In Asien gewann der Nikkei 225-Index 5,71 Prozent. Der MSCI Emerging Markets schloss mit einem marginalen Verlust von 0,07 Prozent ab.
Auf das erste Halbjahr gesehen fiel die positive Entwicklung deutlicher aus: In den USA legte der S&P 500 um zehn Prozent und der Dow Jones um mehr als neun Prozent zu. In Europa erreichte der STOXX 600 am 25. Juni ein Rekordhoch und schloss das erste Halbjahr mit einem Zugewinn von über zehn Prozent ab. Der DAX legte nur 2,1 Prozent zu, profitierte aber von der Erholung im Halbleiter- und Industriesektor. Starke Zugewinne waren zudem in Asien zu verzeichnen, so legte der Nikkei 225-Index um über 40 Prozent zu.
KI-Werte unter Druck
Der KI-Superzyklus läuft, der Kapitalbedarf ist immens. Vor Kurzem hat die Google-Mutter Alphabet eine Eigenkapitalaufnahme von knapp 85 Milliarden US-Dollar angekündigt. Nur wenige Tage später wurde am Markt darüber spekuliert, dass auch Meta seine KI-Investitionen vorantreibt und eine Kapitalerhöhung von mehreren 10 Milliarden US-Dollar plant. Zugleich hat SpaceX mit seinem Börsengang Mitte Juni 75 Milliarden US-Dollar eingenommen – ein Rekordwert. Zwar steht das Unternehmen mit seinen Geschäftsschwerpunkten primär für Raketenstarts und Starlink-Satelliten. Mit der Übernahme von xAI hat sich SpaceX aber auch eine dritte Geschäftssäule im Bereich KI und KI-Infrastruktur aufgebaut. Trotz der hohen geplanten Investitionen gerieten KI-nahe Tech-Werte kürzlich phasenweise unter Druck. So führte die weniger optimistische Geschäftsprognose des US-Chipherstellers Broadcom zu Kursverlusten, vor allem im Halbleitersegment. Auch Oracle wurde trotz solider Zahlen in einem von Gewinnmitnahmen geprägten Marktumfeld deutlich abgestraft.
Künstliche Intelligenz bleibt Treiber am Aktienmarkt
Die Aktienmärkte schwankten zuletzt stärker, vor allem aufgrund von Gewinnmitnahmen im Halbleitersegment. Deutlich erkennbar war im Juni eine Rotation von KI-nahen Werten hin zu defensiveren Sektoren insbesondere in die Bereiche Energie und Infrastruktur.
Fundamental bleibt das Bild aber weiterhin positiv. KI, KI-Infrastruktur und Digitalisierung werden aus unserer Sicht auch künftig Treiber am Aktienmarkt bleiben. Aufgrund der bereits hohen Bewertungsniveaus schauen viele Anleger zwar genauer hin, doch der Fokus vieler Investoren dürfte auch weiterhin auf KI-nahe Unternehmen liegen.
Am US-Rentenmarkt führten die robusten Arbeitsmarktdaten, anhaltende Inflationssorgen sowie steigende Zinserhöhungserwartungen zu einem leichten Anstieg der Renditen zehnjähriger US-Schatzanweisungen. Auch im Euroraum kam es angesichts der hartnäckigen Inflationsdaten und der (erwarteten) EZB-Zinserhöhung zu einem Renditeanstieg, bevor die Aussicht auf eine Lösung im Iran-Konflikt zu einer Gegenbewegung führte.
Stärkerer Anstieg bei kurzlaufenden Zinsen
Anfang Juni hatten die zehnjährigen US-Staatsanleihen angesichts steigender Ölpreise und Inflationssorgen die Marke von 4,5 Prozent angesteuert, während sich die Renditen der dreißigjährigen Anleihen der Fünf-Prozent-Marke näherten. Mit dem Abschluss des Friedensabkommens und dem anschließenden Rückgang der Energiepreise kam es jedoch zu einer Gegenbewegung. Zum Monatsende lagen die Renditen der zehnjährigen US-Papieren bei 4,47 Prozent, nach etwa 4,44 Prozent Ende Mai, ein Anstieg um drei Basispunkte. Zweijährige US-Staatsanleihen lagen angesichts der veränderten Wortwahl der US-Notenbank bei 4,18 Prozent, ein deutlicher Anstieg von etwa 18 Basispunkten gegenüber dem Vormonat. Die Zinsstrukturkurve flachte sich damit aufgrund der gestiegenen Zinserhöhungserwartungen am kurzen Ende spürbar ab. In Summe verteuerten sich US-Staatsanleihen im Juni, gemessen am JPM GBI US-Index, um 0,3 Prozent.
Entspannung am europäischen Anleihemarkt
In Europa standen Staatsanleihen zum Monatsbeginn zunächst noch unter Druck. Im weiteren Verlauf des Monats gaben die Renditen europäischer Papiere über alle Laufzeiten hinweg deutlich nach. Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen ging von ihrem Mehrjahreshoch bei 3,20 Prozent Mitte Mai auf rund 2,86 Prozent zum Monatsende zurück. Zweijährige Bundesanleihen rentierten Ende Juni bei circa 2,53 Prozent, ein Minus von zehn Basispunkten. Anleihen aus Italien, Spanien und Griechenland entwickelten sich ebenfalls freundlicher. Französische Papiere handelten unverändert auf erhöhten Renditeniveaus aufgrund der politischen Unsicherheit.
Risikoaufschläge nahe den Tiefständen
Der US-Unternehmensanleihemarkt profitierte weniger stark von der Entspannung im Nahen Osten und lag zum Monatsende (ICE BofA US-Large Corporate-Index) auf US-Dollarbasis mit lediglich 0,1 Prozent leicht im Plus. Besser entwickelten sich europäische Papiere, die von dem freundlichen Risikoumfeld profitierten. Der für Investment Grade-Unternehmenspapiere repräsentative ICE BofA Euro Corp.-Index (ER00) gewann im Juni 0,5 Prozent hinzu. Das High-Yield-Segment konnte etwas stärker zulegen. Rege Aktivitäten am Primärmarkt und ein hohes Investoreninteresse führten zu Risikoaufschlägen nahe der historischen Niedrigniveaus.
Gold schwächelt
Gold profierte zuletzt nicht von den höheren geopolitischen Risiken. Auch wenn es in einem solchen Umfeld Anlegern gern als sicherer Hafen dient und einen gewissen Inflationsschutz mit sich bringt. So waren es doch gerade die höheren Teuerungsraten, die zuletzt auf den Notierungen lasteten. Schließlich stieg mit den höheren Energiepreisen der Handlungsdruck auf die Währungshüter. Höhere Leitzinsen würden dann auch eine höhere Rendite für US-Staatsanleihen bedeutet, die Gold in Krisenzeiten als sicherer Hafen Konkurrenz machen. Dementsprechend notierte das Edelmetall zuletzt schwächer als nocht zu Jahresbeginn. Ende Juni kostete eine Feinunze Gold 4.008 US-Dollar. Das sind 11,7 Prozent weniger als im Vormonat.
US-Dollar-Wende in Sicht
Der US-Dollar hat in den vergangenen vier Wochen gegenüber den meisten wichtigen Währungen an Wert gewonnen. Gestützt wurde die Entwicklung durch den robusten Arbeitsmarktbericht, weiterhin hohe Inflationserwartungen und höhere US-Staatsanleiherenditen. Der US-Dollar-Index stieg zeitweise auf den höchsten Stand seit Mai 2025. Nach unserer Einschätzung sollte sich diese Entwicklung schon bald wieder ins Gegenteil kehren: Wir rechnen damit, dass die Dominanz des US-Dollars nachlassen und der Greenback aus strukturellen Gründen wieder abwerten wird.
Nach der Entspannung im Nahen Osten zeigt sich das geopolitische Umfeld zwar stabiler, bleibt aber ein Risikofaktor für die Kapitalmärkte. Insgesamt überwiegen aus unserer Sicht allerdings die Vorteile für chancenorientierte Anlageklassen. An den Aktienmärkten bleibt das Thema Künstliche Intelligenz ein wesentlicher Treiber, wenngleich die Investitionen in diese genauer unter die Lupe genommen werden. Die bislang stellenweise höhere Volatilität am Aktienmarkt bestärkt die Notwendigkeit einer fundierten Unternehmensanalyse und damit die zunehmende Bedeutung einer selektiven Titelallokation.
Juli ist klassischerweise ein eher ruhiger Handelsmonat, da sich viele Marktteilnehmer im Urlaub befinden. An den Rentenmärkten lassen sich dann oft die Zinsaufschläge verdienen. Mit der allgemein geringeren Marktliquidität geht aber auch das Risiko einher, dass Anleger im Krisenfall mit größeren Schwankungen rechnen müssen, da schon kleinere Ordergrößen in der Lage sind, größere Marktbewegungen auszulösen.
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Stand aller Informationen, Darstellungen und Erläuterungen: 3. Juli 2026, soweit nicht anders angegeben.
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