Source: https://www.union-investment.de/blog/ki-indien
Lange galt Indien als Wachstumsstar, doch der Ölpreisanstieg und der KI-Boom setzen das Modell unter Druck. Fondsmanager Andreas Döring erklärt, welche Herausforderungen der Subkontinent bewältigen muss und warum Indien für langfristig orientierte Anlegerinnen und Anleger dennoch interessant bleibt.
Donnerstag, 23.07.2026
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Wer darüber nachdenkt, in Indien zu investieren, sieht sich derzeit mit einem Widerspruch konfrontiert: Lange galt der Subkontinent als der Shootingstar unter den Schwellenländern. Ein junges Bevölkerungsprofil, eine wachsende Mittelschicht, der boomende IT-Sektor.1 Die Geschichte klang überzeugend. Doch zwei Entwicklungen setzen das Wachstumsmodell des Landes unter erheblichen Druck: die höheren Ölpreise und der starke Aufschwung der künstlichen Intelligenz (KI). Nach Einschätzung von Union Investment ist Indien langfristig ein interessanter Wachstumsmarkt, bringt aber auch große Risiken mit sich, weshalb für Investitionen eine gründliche Prüfung wichtig ist. Andreas Döring , Fondsmanager bei Union Investment und Spezialist für asiatische Aktienmärkte, erklärt, was sich gerade strukturell in Indien verändert und warum geduldige Anlegerinnen und Anleger dennoch aufmerksam bleiben sollten.
Andreas Döring ist seit August 2013 als Portfoliomanager im Bereich Aktien bei Union Investment tätig. Sein Fokus liegt auf den asiatischen Aktienmärkten, insbesondere auf China und Indien.
Der durch den USA-Iran-Konflikt gestiegene Ölpreis hat Indien besonders hart getroffen. Das Land ist in hohem Maße auf Energieimporte angewiesen. Das hat eine Art Kettenreaktion ausgelöst. „Steigende Ölpreise führen zu höheren Importkosten, die Handelsbilanz verschlechtert sich, die Inflation nimmt zu, die Währung gerät unter Druck“, verdeutlicht Andreas Döring die Situation und erläutert die Folge: Die indische Rupie hat zuletzt deutlich an Wert verloren, ausländische Investorinnen und Investoren haben Kapital abgezogen, und die Investitionen in das Land sind zurückgegangen. Aber das ist nur ein Punkt, der dem Subkontinent momentan zusetzt.
Der zweite Belastungsfaktor ist struktureller Natur und reicht tiefer1: die KI. Indiens IT-Industrie hatte in den vergangenen Jahren stark davon profitiert, dass IT-Dienstleistungen von der Softwareentwicklung bis zum Callcenter aus aller Welt in indische Technologiestandorte ausgelagert wurden. Die Branche ist ein zentraler Wachstumsmotor. Laut dem Nachrichtendienst Reuters beschäftigt Indiens IT- und Outsourcing-Sektor bis zu 15 Millionen Menschen – und genau diese Jobs geraten unter KI-Druck.2
Denn die KI-Systeme können gerade in der IT-Branche viele Aufgaben übernehmen, die vorher von Menschen verrichtet wurden.2 „Durch die neuen Möglichkeiten der KI gerät der Beschäftigungsmotor ins Stottern – und das dürfte die indische Volkswirtschaft belasten“, so Döring. Dadurch werde eine der wichtigsten Säulen des Landes weniger bedeutend.
Das ist keine ferne Zukunftsvision. Bereits heute verlagern internationale Konzerne standardisierte IT-Dienstleistungen in automatisierte Systeme. In der Folge werden weniger Arbeitskräfte benötigt. Für ein Land, das jährlich Millionen junger Menschen in den Arbeitsmarkt entlässt, ist das eine ernst zu nehmende Herausforderung.3
Die Regierung unter Premierminister Narendra Modi hat die Zeichen der Zeit erkannt und handelt bereits. So versucht Indien sich seit geraumer Zeit unter dem Motto „Make India“ als Produktionsstandort und als Alternative zu China im globalen Lieferkettennetz zu etablieren. Vor einigen Jahren konnten vor allem Vietnam, Thailand und Mexiko von einem ähnlichen Kurs profitieren. Doch anstatt einfach nur Produktionsaufträge in das Land zu holen, setzt Modi gezielte Anreize, um spezialisierte ausländische Unternehmen anzusiedeln.4
Halbleiter sind die Mikrochips, die jede KI-Anwendung antreiben. Sie gelten als das strategische Herzstück der globalen Technologielieferkette.
Die indische Regierung zielt dabei aktiv in Richtung der Produktion der begehrten Halbleiter und hat über zehn Milliarden US-Dollar als Fördervolumen für die Ansiedlung von Halbleiterproduktion bereitgestellt. Diese und weitere Maßnahmen sollen internationale Halbleiterhersteller bewegen, Kapazitäten auf indischem Boden aufzubauen. Dieser strategische Schachzug soll Indien einen neuen Platz in der globalen KI-Lieferkette sichern.5 „Der Regierung ist klar, dass hier etwas passieren muss“, sagt Döring. Das sei mehr als ein industriepolitisches Signal, es wäre ein Versuch, das Wachstumsmodell des Landes mit einer Milliardenbevölkerung neu zu kalibrieren. Er und sein Team beobachten diese Entwicklung genau, denn hier sieht der Fondsmanager viel Zukunftspotenzial.
Trotz aller Belastungen bleibt Döring daher positiv gestimmt für die Zukunft Indiens. „Dieses riesige Land ist strukturell immer noch ein interessanter Standort.“ Die Volkswirtschaft wächst weiter, auch wenn es derzeit Schwierigkeiten gibt. So stieg Indiens Bruttoinlandsprodukt im ersten Quartal 2026 um 7,8 Prozent – obwohl es einen Ölpreisschock gab.6 Laut Döring sind die demografischen Bedingungen günstig, und die Produktivität nimmt weiterhin zu.
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Zwar hat der indische Aktienmarkt in den vergangenen Wochen stark nachgegeben. Doch die Wirtschaft wächst weiter. Dieser scheinbare Widerspruch erklärt sich durch verschiedene Faktoren: Kurzfristig belasten Währungsabwertung, Kapitalabflüsse und gesunkene Bewertungserwartungen den Markt, während die wirtschaftlichen Grundlagen stabil bleiben. Gleichzeitig entwickelt sich der Kapitalmarkt dynamisch weiter: Immer mehr indische Unternehmen gehen an die Börse, und die Investorenkultur im Inland breitet sich aus.7
„Wir befinden uns am Anfang einer dynamischen Entwicklung“, so Döring. Das könnte seiner Meinung nach insbesondere für langfristige Investorinnen und Investoren ein Indiz für eine positive Entwicklung sein. Wie bei allen Geldanlagen in Schwellenländern gilt allerdings auch: Höhere Renditechancen gehen mit höheren Risiken einher – darunter Währungsschwankungen, politische Unsicherheiten und eine eingeschränkte Marktliquidität.
Indien steht an einem Wendepunkt. Das alte Wachstumsmodell – IT-Outsourcing und Dienstleistungsexport – ist durch KI unter Druck geraten. Der hohe Ölpreis erschwert die Transformation zusätzlich. Doch die Regierung Modi reagiert, setzt auf Industrialisierung und positioniert Indien als künftigen Standort für die Halbleiterproduktion. Aber wie steht Indien in Sachen KI aktuell im gesamtasiatischen Kontext da? Lesen Sie mehr dazu auf unserer Webseite „KI-Rally in Asien, wer gewinnt, wer verliert?“
Für Anlegerinnen und Anleger bedeutet das: Indien ist kein Selbstläufer – aber auch kein Abschreibefall. Die bevölkerungsreichste Demokratie der Welt ist ein Land im Wandel. Das erfordert genaue Marktkenntnis und ein aktives Management in der Kapitalanlage. Nach Einschätzung von Union Investment bietet Indien langfristig attraktive Chancen – wenngleich die tatsächliche Entwicklung, wie bei jeder Kapitalanlage, von Marktbedingungen abhängt, die sich nicht vorhersagen lassen.
Wenn Sie erfahren möchten, wie Sie an den Chancen in Asien teilhaben können – und wie Sie gleichzeitig die Risiken im Blick behalten, sprechen Sie gerne mit den Beraterinnen und Beratern Ihrer Volksbank oder Raiffeisenbank.
Quellen:
Bitte lesen Sie den Disclaimer.
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1 Beiträge
Anne Zeitler 03.08.2026
anne.zeitler@t-online.de In welche Fonds könnte man denn investieren?
Antworten
Union-Investment 04.08.2026
Antwort zu Kommentar von Anne Zeitler
Guten Tag Anne Zeidler, Union Investment bietet keine individuelle Anlageberatung an. Im Hinblick auf einzelne Fonds bitten wir um Ihr Verständnis, dass wir aus regulatorischen Gründen keine Empfehlungen aussprechen dürfen. Für eine persönliche Beratung steht Ihnen deshalb Ihre Bank vor Ort jederzeit gern zur Verfügung. Sonnige Grüße aus Frankfurt, Eva Nokwe
awerwer
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