Source: https://www.union-investment.de/unsere-services/aktuelle-nachrichten/politik-maerkte/ki-rally-in-asien-wer-gewinnt-wer-verliert
22.07.2026
Der Irankonflikt hat Asien hart getroffen – könnte man meinen. Fondsmanager Andreas Döring erklärt, warum der KI-Boom stärker wirkt als der Ölpreisschock.
Die Unsicherheit rund um die Straße von Hormus hat Asien insgesamt stärker als andere Weltregionen belastet. Viele Staaten in Fernost decken einen Großteil ihrer Rohölimporte über die Meerenge ab. Und dennoch: „Die asiatischen Aktienmärkte haben sich trotzdem robust gezeigt“, sagt Andreas Döring, Fondsmanager bei Union Investment und Spezialist für asiatische Aktienmärkte. Er erklärt, warum.
Der Irankonflikt und die gestiegenen Ölpreise haben sich in Staaten wie Japan, Südkorea und Taiwan kaum auf die Aktienmärkte ausgewirkt, wie Andreas Döring beobachtete. „Der eigentliche Treiber für die Kapitalmärkte in Asien ist nach wie vor das Thema KI“, sagt er. Denn in Südkorea und Taiwan werden die Leitindizes von Halbleiterunternehmen und KI-Profiteuren dominiert – und die Investitionstätigkeit in diesem Bereich bleibt ungebrochen.1
Auf einen Blick: Einschätzungen von Fondsmanager Andreas Döring
Der KI-Boom geht inzwischen jedoch weit über die führenden Halbleiterhersteller in Südkorea und Taiwan hinaus. Die gesamte Lieferkette profitiert – von der Chipverpackung und -testung bis hin zu entsprechenden Zulieferern. Die Investitionstätigkeit im Bereich KI sei dabei so groß, dass auch Industriezweige profitierten, die auf den ersten Blick nichts mit künstlicher Intelligenz zu tun haben, so Döring. Ein Beispiel: Hersteller von Kühllösungen und Kondensatoren.2 KI-Modelle benötigen immer höhere Rechenleistungen und müssen entsprechend gekühlt werden. Die Nachfrage nach Kondensatoren ist sogar so stark gestiegen, dass laut Andreas Döring konventionelle Kondensatoren auf dem Weltmarkt knapp geworden sind.
„Es wiederholt sich, was wir schon bei den Arbeitsspeichern beobachtet haben“, so Döring. „In Speicherlösungen für KI-Chips wurde so viel investiert, dass konventionelle Arbeitsspeicher knapp wurden.“ Die Parallele zur Automobilindustrie in Süddeutschland liegt nahe: Um die großen Hersteller bildet sich ein ähnliches dichtes Zulieferernetzwerk von KI-Infrastruktur.
Chipverpackung und -testung – unverzichtbares Bindeglied in der Halbleiterlieferkette
Kühllösungen – KI-Rechenzentren erzeugen enorme Wärme, Flüssigkühlung boomt
Kondensatorenhersteller – steigende KI-Nachfrage macht konventionelle Bauteile knapp
Leiterplattenhersteller – Grundlage jedes KI-Servers, Preise zuletzt stark gestiegen
Energieversorger und Infrastruktur – Rechenzentren brauchen große Stromkapazitäten
Quelle: Union Investment. Stand: Juli 2026.
Asien ist also nicht der große Verlierer des Irankonflikts. Der KI-Boom wirkt als starker Gegenpol – vor allem in Südkorea und Taiwan, wo die gesamte Wertschöpfungskette nach Einschätzung von Andreas Döring von den immensen Investitionen in den Aufbau von Rechenzentrumskapazitäten profitiert.
Ein weiterer asiatischer Wachstumsmarkt, nämlich Indien, wurde dagegen weit mehr mit den gestiegenen Ölpreisen belastet, und gleichzeitig stellt der KI-Boom eine Herausforderung für einen der wichtigsten Wirtschaftszweige des Subkontinents dar (mehr dazu in unserem Blogbeitrag „Indien im KI-Umbruch“).
Auch wenn der südkoreanische Börsenindex KOSPI zuletzt stark schwankte – die Ursachen sind nicht geopolitischer Natur. Inländische Privatanlegerinnen und -anleger, in Südkorea als „Ants“ („Ameisen“) bekannt, investieren massiv in heimische Aktien und verstärken Kursbewegungen, die fundamental nicht immer gerechtfertigt sind.3 Union Investment hat in diesem Umfeld bereits Gewinne mitgenommen und beobachtet die Lage weiterhin genau.
Fazit von Andreas Döring: „Asien bietet weiterhin viele Anlagemöglichkeiten. Die asiatischen Aktienmärkte sind nicht der große Verlierer des Irankonflikts – Haupttreiber bleibt der KI-Boom, und der ist noch lange nicht ausgeschöpft.“
Risikohinweis: Anlagen in asiatischen Aktienmärkten unterliegen marktbedingten Kurs- und Ertragsschwankungen sowie Bonitätsrisiken einzelner Emittenten und Vertragspartner. Darüber hinaus sind bei einem regionalen Anlagefokus auf Asien erhöhte Länder- und Regionenrisiken zu beachten – etwa durch geopolitische Spannungen, Währungsschwankungen oder regulatorische Eingriffe, die die Wertentwicklung zusätzlich beeinflussen können. Ein Verlust des eingesetzten Kapitals ist möglich.
Die Einschätzungen von Andreas Döring geben die persönliche Marktmeinung zum Zeitpunkt der Erstellung wieder und stellen keine Anlageberatung oder Garantie künftiger Wertentwicklungen dar. Stand: Juli 2026.
Lesen Sie die rechtlichen Hinweise.
Der Subkontinent auf der Suche nach einem neuen Wachstumsmodell.
Weiterlesen
In diesem monatlichen Newsletter erhalten Sie eine Einschätzung unserer Experten zu der Entwicklung an den Kapitalmärkten.
Abonnieren