Source: https://www.union-investment.de/blog/rentenerhoehung_2026
4,24 Prozent mehr Rente: Warum das kein Grund ist, die private Vorsorge zu vernachlässigen.
Mittwoch, 10.06.2026
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Rund 21 Millionen Rentnerinnen und Rentner in Deutschland dürfen sich freuen: Ab dem 1. Juli 2026 steigt die gesetzliche Rente um 4,24 Prozent. Das ist sogar noch mehr, als Anfang des Jahres erwartet wurde . Gibt es damit weniger Handlungsbedarf bei der Eigenvorsorge?1
Aufgrund der aktuellen Rentenanpassung erhalten Durchschnittsrentner ab dem 1. Juli 2026 spürbar mehr Geld: Eine Rente von 1.000 Euro steigt um rund 42 Euro im Monat. Die sogenannte Standardrente – also die Summe nach 45 Beitragsjahren bei Durchschnittsverdienst – wächst sogar um knapp 78 Euro monatlich. Das ist für viele eine willkommene Verbesserung und ein klares Signal. Doch wer jetzt aufatmet und die private Altersvorsorge hintanstellt, sollte genauer hinschauen.2
Die gesetzliche Rente ist direkt an die Lohnentwicklung gekoppelt. Steigen die Löhne in Deutschland, steigen auch die Renten. Sinken die Löhne, sinken auch die Renten. Der Generationenvertrag, der in den vergangenen Jahrzehnten funktioniert hat, klingt im Prinzip fair: Wer heute arbeitet und einzahlt, sorgt dafür, dass die heutigen Rentnerinnen und Rentner mehr erhalten. Im Gegenzug profitieren die heutigen Arbeitnehmer später selbst von einer ähnlichen Dynamik, zumindest theoretisch. Dieses System ist daher abhängig von demografischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, die sich inzwischen geändert haben. Insbesondere belasten der demografische Wandel und eine steigende Lebenserwartung das Rentensystem langfristig. In der Folge muss eine sinkende Zahl Arbeitnehmer die wachsenden Rentenansprüche finanzieren. So erfreulich die aktuelle Erhöhung ist, sie stellt keine Garantie für die Zukunft dar.3
Die steigenden Renten müssen finanziert werden – und das hat seinen Preis. Die Deutsche Rentenversicherung erwartet bereits für 2028 einen Anstieg des Beitragssatzes von 18,6 auf 19,8 Prozent. Das Wirtschaftsforschungsinstitut Prognos schätzt bis 2040 sogar einen Anstieg auf bis zu 23,7 Prozent. Für jüngere Arbeitnehmer bedeutet das: mehr Abzüge vom Bruttogehalt, und das bei einer gleichzeitig schwerer planbaren Rentenaussicht.4
Selbst nach der Erhöhung dürfte die gesetzliche Rente in Deutschland nicht ausreichen, um den gewohnten Lebensstandard im Alter zu halten. Eine aktuelle Studie zeigt: Während die durchschnittliche Bruttorente hierzulande bei 19.800 Euro liegt, betragen die Lebenshaltungskosten 28.700 Euro.5 Diese Differenz kann als Ansporn verstanden werden, privat vorzusorgen. Zumal das gesetzliche Rentenniveau bei 48 Prozent liegt. Das heißt: Wer nach 45 Jahren Arbeit in Rente geht und stets den angenommenen Durchschnittsverdienst aller gesetzlich Rentenversicherten erhalten hat, bekommt im Alter die sogenannte Standardrente. Und das wären 48 Prozent vom Durchschnittsverdienst.6
Die Differenz zwischen dem letzten Nettoeinkommen und der tatsächlich ausgezahlten Rente nennt man auch Versorgungslücke. Diese Lücke dürfte selbst eine Rentenerhöhung von 4,24 Prozent nicht in allen Fällen schließen. Wer heute zum Beispiel 3.500 Euro netto verdient, wird im Alter deutlich weniger zur Verfügung haben, wenn er sich nur auf die gesetzliche Rente verlässt. Selbst wenn es Fälle gibt, die von diesem vereinfachten Beispiel abweichen können, zeigt sich insgesamt, dass die private Vorsorge immer wichtiger wird.7 Wie hoch diese Lücke individuell ausfallen kann, lässt sich mit dem Vorsorgelücken-Rechner leicht herausfinden.
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Wer heute ins Berufsleben einsteigt oder mittendrin steckt, erwirbt durch steigende Löhne zwar auch höhere Rentenansprüche, was grundsätzlich positiv ist. Doch das gesetzliche Rentensystem dürfte aufgrund der demografischen Entwicklung für heutige Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer allein keine auskömmliche Altersversorgung mehr sichern können. Das Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) geht etwa davon aus, dass im Jahr 2030 auf 100 Beitragszahler 67 Rentner kommen. Zwanzig Jahre später könnten es bereits 77 Rentner sein, deren Rente durch 100 Beitragszahler mitfinanziert werden muss. Das ernüchternde Fazit des IW: „Die Beitragssätze müssten deshalb steigen – oder die Rentner weniger Geld beziehen.“8 Unter diesen Voraussetzungen scheint es für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer ratsam, früh über das Rentenleben nachzudenken ‒ und sich über die Finanzierung des Lebensstandards Gedanken zu machen.
Die Rentenerhöhung im Juli bietet daher einen passenden Anlass, um die private Altersvorsorge realistisch und vernünftig zu planen – nicht aus Sorge, sondern mit Weitblick. Wer frühzeitig aktiv wird, kann etwa den Zinseszinseffekt nutzen, einen Sparplan anlegen, diesen bei Bedarf flexibel anpassen und so gut auf Veränderungen reagieren.
Wichtige Fragen dabei sind: Wie groß ist meine persönliche Versorgungslücke? Reichen meine Beiträge in die private oder betriebliche Altersvorsorge aus? Und entspricht meine Vorsorgestrategie noch meiner aktuellen Lebenssituation? Ein Vorsorge-Check mit dem neuen Rechner und ein persönliches Gespräch bei Ihrer Volksbank Raiffeisenbank hilft, diese Fragen zu klären. So können Sie herausfinden, wo Sie heute stehen – und was Sie tun können, um im Alter finanziell so gut wie möglich aufgestellt zu sein. Die gesetzliche Rente ist dabei ein wichtiger Baustein – aber nur einer von mehreren.
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